Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ist über die Vorgänge in Deutschland bestens informiert. Das liegt auch daran, dass der türkische Geheimdienst MIT neben seinen hauptamtlichen Mitarbeitern auch ein Netz von 6.000 Informanten aufgebaut hat. Wie die Zeitung „Welt am Sonntag“ berichtet, kommt damit ein Erdogan-Spitzel auf 500 in unserem Nachbarland lebenden Türken bzw. „Deutschen mit türkischem Migrationshintergrund“. Oder anders ausgedrückt: In der BRD leben rund drei Millionen Türken, die Erdogan als seine fünfte Kolonne betrachtet.

Um welche Dimensionen es sich dabei handelt, zeigt an Vergleich mit der Stasi der „DDR“: Die Spitzelorganisation des kommunistischen Unrechtsregimes hatte weniger Agenten in der BRD. „Selbst der Stasi ist es nicht gelungen, in der Bundesrepublik ein so großes Agentennetz aufzubauen“, sagt der Gemeindienstexperte Erich Schmidt-Eenboom.

Wie Schmidt-Eenboom des Weiteren erklärt, scheinen die deutsche Politik die türkischen Umtriebe nicht näher zu stören: „Die Aktivitäten des MIT wurden in Deutschland immer geduldet“. Allerdings gehe es dabei längst nicht nur um die (unter befreundeten Staaten übliche) nachrichtendienstliche Aufklärung, sondern um „nachrichtendienstliche Repression“. Offenbar geht es Ankara darum, in der Bundesrepublik Gegner des Erdogan-Regimes wie etwa Kurden oder Anhänger des umstrittenen, in den USA lebenden islamistischen Predigers Fethullah Gülen einzuschüchtern.

 

[Text: B. T.; Bild: Jmolagar/wikimedia.org]