In Deutschland zieht der Spionageskandal rund um den türkisch-islamischen Dachverband Ditib immer weitere Kreise. Nachdem die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion, so der volle Name von Ditib, bereits zugeben musste dass einige Ditib-Imame im Auftrag des türkischen Staates mutmaßliche Gegner des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und Sympathisanten seines Widersachers, des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen bespitzelt hatten, wurde nun bekannt, dass auch Lehrer an staatlichen Schulen ausspioniert wurden.

Erdogan wirft Gülen vor, für den gescheiterten Putsch in der Türkei im Juli des Vorjahres verantwortlich zu sein. Nicht nur in der Türkei gibt es eine Hexenjagd auf tatsächliche oder vermeintliche Gülen-Anhänger. Auch in Deutschland lebende Türken und Erdogan-Kritiker berichten von Einschüchterungsversuchen durch Anhänger des türkischen Präsidenten.

Das Innenministerium von Nordrhein-Westfalen bestätigte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“, dass fünf Lehrer an staatlichen Schulen, in denen auch islamischer Religionsunterricht angeboten wird, auf Spionage-Listen von Ditib stehen. Ditib betreibt in der Bundesrepublik Deutschland rund 900 Moscheen und ist dem staatlichen türkischen Religionsamt Diyanet unterstellt. Laut „Kölner Stadt-Anzeiger“ sollen auf den Spionage-Listen insgesamt 28 Personen und elf Einrichtungen stehen.

Ditib ist für Erdogan ein wirksames Instrument zur Beeinflussung der türkischen Parallelgesellschaft in der Bundesrepublik Deutschland. So werden die Imame vom türkischen Staat ausgebildet und bezahlt, können oft kein Deutsch und werden für höchstens fünf Jahre nach Deutschland entsandt.

 

[Text: B. T.; Bild: Kryp/wikimedia.org]