Der frühere deutsche Nationalmannschaftsspieler Mesut Özil verunglimpft den Deutschen Fußballbund DFB mit dem Vorwurf des Rassismus. Gelegentlich wird der Einwand erhoben, Nationalspielern mit dem, was man heute „Migrationshintergrund“ nennt, seien Leistung und Engagement abträglich. Bekannt wurde das allerdings gelegentlich falsch zitierte Wort des Vorsitzenden der AfD-Bundestagsfraktion Alexander Gauland über den Innenverteidiger des FC Bayern München Jerome Boateng. Dabei gehörte letzterer und der (farbige) 1,91 Meter lange Antonio „Toni“ Rüdiger zu den wenigen Lichtblicken in der deutschen Nationalmannschaft 2018. Spieler mit Migrationshintergrund, die sich zu Deutschland bekennen und besonders engagiert etwas zum Erfolg beitragen wollen, sind echte Verstärkungen. Frankreich wurde 1998 mit einer Vielzahl von Migranten Weltmeister. Offenbar war die Mannschaft eine Einheit und wollte „für“ Frankreich spielen und gewinnen.
Damit sind wir bei der Frage, ob es von Löw klug war, die Spieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan nach ihren Sympathiebekundungen für den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan in der deutschen Nationalmannschaftzu belassen. In der Süddeutschen Zeitung ätzte der Bundesligaspieler Hamit Altintop gegen Özil: Dieser habe sich für das „Business“ entschieden, weil er als Deutscher „mehr Lobby,einen höheren Marktwert habe und mehr Geld verdienen würde“. Özils Entscheidung hätte seiner Meinung nach „nichts mit Integration zu tun“. Altintop behauptete später, diese Äußerungen nicht gemacht zu haben.
Der ebenfalls für die deutsche Nationalmannschaft tätig gewesene Emre Can war auch von Erdogan zu dem Fototermin bestellt worden, hatte sich diesem aber verweigert. Frühere Nationalspieler warfen Löw vor, mit dem Festhalten an Özil und Gündogan den Zusammenhalt der Mannschaft beschädigt zu haben. Özil weigerte sich zudem beharrlich, die Nationalhymne mitzusingen. Auf Befragen erklärte er dann, er bete (islamisch) stattdessen. In keinem anderen Land der Welt würde ein solches Verhalten toleriert werden.
Löws Beharren auf den beiden hat vielleicht auch ganz banale wirtschaftliche Gründe. Harun Arslan ist seit über 20 Jahren mit dem Bundestrainer befreundet und gilt auch als sein „Berater“. Er betreibt die ARP Sportmarketing GmbH. Freunde und Verwandte von Özil und Gündogan sollen auf Arslans Gehaltsliste stehen. Hätte Löw die beiden nicht mit nach Russland genommen, hätte er es sich wahrscheinlich mit dem türkischen Geschäftsmann „verdorben“.
Die Einmischung der Politik in den Fußball dient vornehmlich der „Profilierung“ bundesdeutscher Politiker. Der für seine „Unabhängigkeit“ bekannte Präsident des Deutschen Bundestages Wolfgang Schäuble sah die Schuld für das Zerwürfnis beim DFB, Bundesinnenminister Seehofer (CSU) erklärte sich mit dem ethnischen Türken und Moslem mit deutschem Pass solidarisch und erklärte, Özil gehöre zu Deutschland. Die umstrittene Bundeskanzlerin ließ kaum eine Gelegenheit aus, sich im Glanz des Erfolges, zu dem sie nichts beigetragen hatte, zu sonnen.
Welche Rolle sie selbst und der „Manager“ der Nationalmannschaft Oliver Bierhoff bei deren Umbenennung in „Die Mannschaft“ gespielt haben, wird sich wohl nicht aufklären lassen. Von den fünf Mitgliedern der Nationalmannschaft, außer Özil und Gündogan noch Rüdiger, Boateng und Khedira, gab es nur Ärger mit Özil. Anderen Orts würde vielleicht darüber diskutiert werden, ob diese kulturelle Bereicherung den deutschen Pass zurück geben sollte – in Deutschland nicht.
Auch die stellvertretende Präsidentin des Deutschen Bundestages Claudia Roth sorgte sich während der Weltmeisterschaft um das übermäßige Zeigen von „Schwarz-rot-gold“ und empfahl statt dessen das Schwenken der „Regenbogenflagge“. Dass in einem derartigen Umfeld in der Vergangenheit überhaupt Erfolge möglich waren, ist beachtenswert. Unsere fußballerische Substanz im Jugendbereich ist stark. Die U-21-Fußball-Europameisterschaft 2017 ging an Deutschland.
Wenn der Bundestrainer die richtigen Konsequenzen zieht, kann Deutschland bei der kommenden Weltmeisterschaft 2022 in Katar „wiederkommen“. Voraussetzung wäre, dass die Multi-Kulti Ideologen im und außerhalb des Deutschen Bundestages aufhören würden, den „Fall Özil“ für ihre Zwecke zu missbrauchen. Schon versucht der türkische Machthaber Erdogan, die Angelegenheit sich international nutzbar zu machen.
Die Vergabe der Europameisterschaft 2024 nach Deutschland sei nicht mehr sinnvoll. Die Türkei solle stattdessen den Zuschlag als Ausrichter bekommen.
Erdogan hofft auf antideutsche Aversionen in Osteuropa. Ob er sich da nicht mal täuscht. Ob für die polnische Regierung oder für Ungarn und Bulgarien, dieses überwiegend asiatisch geprägte Land populärer als Deutschland ist, ist schwer vorstellbar. Der dunkelhäutige frühere deutsche Nationalmannschaftsspieler Cacau erklärte jedenfalls, er sehe keinen Rassismus beim DFB. Tatsächlich scheint die Angelegenheit Özil auch eher die Frage zu beantworten, ob der Islam zu Deutschland gehört oder nicht. Hier steht Mesut Özil nicht auf der Seite des Landes, für das er Fußball gespielt hat. Der DFB täte gut daran, künftig keine Islam-Aktivisten in den Reihen der Nationalmannschaft zu dulden.

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[Text: A.S.; Bild: Anish Morarji from St Albans, England Lizenz: Creative Commons Attribution 2.0 Generic]