Viele hofften auf eine Änderung der US-Außenpolitik, insbesondere auf eine Verbesserung der Beziehungen zu Russland, als Donald Trump am 20. Jänner 2017 Präsident vereidigt wurde. Nun, ein Jahr später, ist Ernüchterung eingekehrt. Am 23. Dezember gab das US-Außenministerium bekannt, dass man die Ukraine mit „erweiterten Verteidigungskapazitäten“ ausstatten, also mit Waffen beliefern wolle. Für heftige Kritik sorgte auch Trumps Entscheidung, die Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen.

Während in den Medien über Trumps Geisteszustand spekuliert wird und das Buch „Fire and Fury: Inside the Trump White House“ (Feuer und Wut: Hinter den Kulissen in Trumps Weißem Haus) für Schlagzeilen sorgt, bekommt Trump großes Lob von den Neokonservativen. Max Boot, einer der führenden „Neocons“, schrieb Anfang Jänner in „Foreign Policy“: „Ich applaudiere den Entscheidungen Trumps, der Ukraine Waffen zu liefern, damit sie sich selbst gegen die russische Aggression verteidigen kann, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen und zusätzliche Truppen nach Afghanistan zu entsenden.“

Seinem Wahlkampfmotto „America first“ („Amerika zuerst“) entsprechend, setzt Trump alles daran, die US-Hegemonie in der Welt, die zunehmend von Russland, vor allem aber von China herausgefordert wird, abzusichern. So schreibt der Republikaner im Vorwort zu der im Dezember 2017 veröffentlichten Nationalen Sicherheitsstrategie, „rivalisierende Mächte“ - gemeint sind China und Russland – würden „aggressiv die amerikanischen Interessen in der Welt untergraben“. Aber das wäre nicht nur für die USA schlecht, weil die „ganze Welt“, so behauptet Trump, „durch die Erneuerung der amerikanischen Führungsstärke gefördert wird“.

Es ist durchaus möglich, dass Trump, wie er im Wahlkampf versprochen hatte, die Beziehungen zu Moskau normalisieren wollte. Jedoch lastet die sogenannte Russland-Affäre, wonach sich Moskau in den US-Wahlkampf 2016 eingemischt und ihm den Wahlsieg gesichert habe, wie ein dunkler Schatten auf seiner Präsidentschaft. Trump könnte also versucht haben, mit der Fortsetzung des aggressiven Kurses gegenüber Russland Kritiker zu besänftigen. So meint Paul Craig Roberts, ein US-Vizeaußenminister, Trump habe, um die Neokonservativen zu beruhigen, im Februar seinen Nationalen Sicherheitsberater Michael Flynn geopfert. Flynn, ein Mann des Ausgleichs mit Moskau, musste wegen eines Treffens mit dem russischen Botschafter in Washington noch vor Trumps Vereidigung den Hut nehmen.

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[Bild: White House]