Heinz Fischer, seit vergangenem Juli nicht mehr Bundespräsident ist, scheint sich in seinem Ruhestand als eine Art Kaiser zu zelebrieren. Zuletzt wurde dies am Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker im Großen Musikvereinssaal deutlich, als sich Fischer wie ein Staatsoberhaupt benahm. Aber ganz aus der Hofburg ausgezogen ist der ehemalige Bundespräsident ja auch nicht: Schließlich hat Fischer dort nach wie vor ein Büro, um das Jubiläumsjahr 2018, an dem sich die Gründung der Republik zum hundertsten Mal jährt, vorzubereiten.

Aber das kann auch als gefährliche Drohung verstanden werden, und zwar sowohl gegenüber der Geschichtspolitik als auch gegenüber dem designierten Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen. Auch wenn die beiden Männer, die ähnlichen Alters sind und darüber hinaus auch der gleichen politischen Ideologie anhängen, so könnte es für Van der Bellen dennoch ärgerlich werden. Und zwar dann nämlich, wenn in der Wiener Hofburg eine ähnliche Situation eintritt wie in Rom, wo der Auxiliarpapst Franziskus mit dem Emeritus Benedikt auskommen muss. Und wird in Wien in den kommenden Jahren vielleicht der Emeritus Fischer die Richtung vorgeben?

[Text: B.T. Bild: wikipedia.org/Arne Müseler]