„Dem BAMF liegen für alle 2015 eingereisten Flüchtlinge biometrische Daten vor. Das heißt, dass alle Menschen, die bei uns einen Antrag auf Asyl gestellt haben, erkennungsdienstlich mit ihrem unverwechselbaren Fingerabdruck bekannt sind“, erklärte eine Sprecherin des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge Anfang diesen Jahres. Über die tausenden Unregistrierten und dennoch im Land befindlichen schweigt man sich jedoch aus.

Nach diesen vollmundigen Ausführungen folgt jedoch der nächste Schildbürgerstreich. Zwar sind angeblich alle mit Fingerabdrücken bekannt, dies nutzt den Behörden jedoch wenig. Denn, wie das BAMF nun zugeben musste, sind 90 Prozent der deutschen Ausländerbehörden, also die Ausländerbehörden der Kommunen, nicht in der Lage, die Fingerabdrücke zu vergleichen. Wie die „Welt“ berichtet, verfügen „schätzungsweise maximal zehn Prozent der Ausländerbehörden“ über die entsprechende technische Ausstattung um Fingerabdrücke abzunehmen oder diese zu vergleichen. Oder anders ausgedrückt: Es fehlt schlichtweg ein entsprechendes Gerät – sogenannte Personalisierungsinfrastrukturkomponente –, um Fingerabdrücke abzunehmen und zu vergleichen.

Dies bedeutet, dass es weiterhin möglich ist, über Mehrfachregistrierungen auch ein Mehrfaches an finanziellen Leistungen zu erhalten, da eben viele der Behörden nicht an das Zentralregister angeschlossen oder noch nicht in der Lage sind, eine elektronische Akte der Asylanten zu führen. Zwar betont das BAMF, dass die Ausstattung der Behörden in nächster Zeit voranschreiten soll, doch heißt es auch: „Dies wird aber nicht durch den Bund vorgenommen, sondern durch die Länder oder Kommunen selbst“, so die Sprecherin. Und wer den deutschen Amtsschimmel kennt, kann sich denken, dass dies dann doch nicht so schnell gehen wird, zumal das Problem vermutlich auch schon länger bekannt sein dürfte.

 

[Text: M. H.; Bild: West Midlands Police/flickr]