Man fühlt sich um hundert Jahre zurückversetzt. Ein Politiker fordert die Tötung eines anderen. Und das nicht vor vorgehaltener Hand, sondern ganz offiziell in aller Öffentlichkeit. Bei der Sicherheitskonferenz in Latrun, im Westjordanland, verlangte der israelische Minister Joav Galant, zuständig für Wohnbau, die Ermordung des syrischen Staatsoberhaupts Baschar al Assad.

Galant ist ehemaliger General und Mitglied der Mitte-Rechts-Partei Kulanu und des israelischen Sicherheitskabinetts. Er verhehlt nicht die politischen Ziele: „Wir wollen eindeutig Assads Sturz und dass die Alawiten-Herrscher durch eine gemäßigte sunnitsche Führung abgelöst werden.“ Weder der israelische Regierungschef Netanyahu noch die sonst so empfindlichen Menschenrechtsorganisationen distanzierten sich von dieser Ungeheuerlichkeit.

Galant begründete seine Forderung mit den jüngst aufgetauchten Bildern von angeblichen Krematorien in einem syrischen Gefängnis, die auf die Tötung von Gefangenen hinweisen sollen. Dass es sich hierbei aber um eine gezielte Stimmungsmache handelt, vermuten sogar UNO-Untersuchungseinrichtungen. Sie warnten vor voreiligen Schlüssen, die Aufnahmen seien bereits 2013 angefertigt worden.

 

[Text: W. T.; Bild: Ricardo Stuckert/ABr]