Herr Frohnmaier, wir stehen vor einer Bundestagswahl, einer Richtungswahl in Deutschland, sozusagen am Vorabend eines Wahlkampfes. Wo sehen Sie die thematischen Schwerpunkte, die in dieser Wahlauseinandersetzung eine wesentliche Rolle spielen werden?

Markus Frohnmaier: Das wichtigste Thema ist sicher die sogenannte Flüchtlingskrise, die in Wirklichkeit eine massive Welle illegaler Einwanderung ist. Dieses Thema brennt den Menschen auf den Nägeln, sie erleben täglich, wie sich durch die illegale Einwanderung ihre Lebenswelt verändert, wie sich das Stadtbild wandelt. Wir erleben neue Formen der Gewalt, sexueller Gewalt, Kriminalität, Terror. Und zu allem Überfluss müssen die Bürger auch noch mit ihrem eigenen Geld dafür bezahlen, dass der Staat versäumt seine Grenzen zu schützen. Mit diesem Thema hängen weitere Themen eng zusammen, die Islamisierung, innere Sicherheit, das Wohlergehen und die Leistungsfähigkeit unserer Polizisten. Hinter diesen Themen ist der Euro etwas in den Hintergrund gerückt. Aber die AfD ist nach wie vor die einzige Partei, die tragfähige Konzepte anbietet, um die Finanzkrise zu überwinden.

Der Kurs von Angela Merkel, insbesondere im Zusammenhang mit der Zuwanderungsfrage der letzten Jahre, erwies sich als eine wahre Katastrophe. Blickt man in deutsche Lande, so erkennt man im kleinsten Dorf, dass dort die Massenzuwanderung angekommen ist. Wie weit glauben Sie, dass die Deutschen diesen Kurs von Angela Merkel weiter tragen oder unter Umständen mit Protest oder anderem Wahlverhalten ablehnen werden?

Frohnmaier: Es ist wie mit dem Frosch im Kochtopf. Wirft man ihn ins heiße Wasser, dann springt er sofort wieder aus dem Topf, wenn er kann. Gibt man ihn dagegen in lauwarmes Wasser und erhitzt dieses, dann bleibt der Frosch im Topf, bis es kocht. Was die CDU betreibt, das ist ein „Cool Down“ der Debatte, während die Lage immer bedrohlicher wird. Die staatlich kontrollierten Medien sprechen über Gewalt im öffentlichen Nahverkehr, über sexuelle Belästigung durch Männer, über Einbrüche, ohne die Ursache all dieser Erscheinungen zu benennen. Es werden Tabus konstruiert, um das Staatsversagen zu verschleiern. Und an der Wahlurne wählen dann viele Bürger eine CDU, die sich als Partei der inneren Sicherheit präsentiert, weil sie sich nicht trauen, das Tabu zu durchbrechen und uns ihre Stimme zu geben.

Das ist eine gefährliche Situation. Angela Merkel hat sich in ein Wettrennen mit der Realität begeben. Die größte Welle des Protests ist bereits abgeebbt, wie man am sinkenden Zulauf von Pegida sehen kann. Aber je mehr die Schönrederei von der Wirklichkeit eingeholt wird, desto größer ist die Chance, dass das Wahlverhalten sich zu unseren Gunsten verändert. Davor müssen wir den Wählern allerdings ein attraktives Angebot machen, das sie nur schwer ablehnen können.

Wie ist aus Ihrer Sicht das gesellschaftspolitische Abrücken nach Links von Merkel, Stichwort „Ehe für alle“, zu bewerten? Ist das der Versuch, abseits ihrer klassischen Wählerschichten im konservativen Bereich neue Wähler zu finden?

Frohnmaier: Merkel hat der „Ehe für alle“ den Weg bereitet. Als sie erkannte, dass der Weg frei war, hat sie beschlossen, dagegen zu stimmen, um keine weiteren Stammwähler zu verprellen. Das ist leicht durchsichtig. Sicher steckte dahinter die Überlegung, vielleicht sogar Wähler von der AfD zurückzuholen.

Die ständigen Medienkampagnen gegen uns machen solche Operationen ja leider einfach. Nur hat Merkel hier die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Wo regt sich denn in der Union Widerstand gegen die „Ehe für alle“, die am Ende eine Ehe für niemanden sein wird, weil die Ehe als Keimzelle der Familie aufgelöst wird? Wir sind doch die einzigen, die noch Werte verteidigen, die in der Union seit Jahren preisgegeben werden. Immer mehr Christen hören auf, sonntags in der Kirche den Predigten zu glauben, den staatsbesoldete Pfarrer gegen die AfD halten. Auf Dauer wird Merkel mit ihrem Etikettenschwindel keinen Erfolg haben!

Blickt man ins Frühjahr zurück und auf die entsprechenden deutschen Landtagswahlen, so muss man konstatieren, dass die SPD mit Martin Schulz keinerlei Aufwind verzeichnen konnte - im Gegenteil die Wahlen in Serie verlor. Wie sehen Sie diese Ausgangslage im Hinblick auf die Wahl im September?

Frohnmaier: Die Idee der SPD war zu Beginn ja gar nicht schlecht. Sie präsentierte den Wählern einen Kandidaten, der auf nationaler Bühne unverbraucht war. Der eine gewisse Männlichkeit ausstrahlte und somit als Gegenbild zur Rabenmutti Merkel erschien. Wer kannte schon den echten Martin Schulz, den Eurokraten und betonsozialistischen Bonzen? Aber nach und nach sah man: Die alten SPD-Gesichter waren noch alle da, zum Beispiel Hannelore Kraft in Nordrhein-Westfalen. Das wollten die Wähler nun doch nicht haben. Und dann war es für die CDU einfach, auf die SPD einzuprügeln, denn inhaltlich hatte die SPD dem Linkskurs der CDU zu keinem Zeitpunkt mehr anderen entgegenzusetzen als die Parole „Noch mehr links!“ Um ehrlich zu sein, ich sehe diese Entwicklung mit Unbehagen.

Die CDU ist auf Kosten der SPD wieder erstarkt, ohne sich gebessert zu haben. Und sie will uns in eine Rolle drängen, in der wir mit Sozialpopulismus der Linkspartei und der SPD Stimmen abknöpfen, nicht aber der Union. Ich denke, jeder, der Deutschland liebt, ist gut beraten, uns seine Stimme zu geben, auch Linke und Sozialdemokraten.Aber als konservative Partei sehen wir natürlich in der CDU unseren Hauptgegner.

Wie sehen Sie die Ausgangslage für die AfD zwei Monate vor der Bundestagswahl? Die AfD hat ja in der jüngsten Vergangenheit eher mit internen Querelen auf sich aufmerksam gemacht. Wie weit konnte man diese beiseite schieben und wo glauben Sie wird man in der Wählergunst zum Liegen kommen?

Frohnmaier: Die Richtungskämpfe haben in unserem Spitzenduo, der freiheitlichen Alice Weidel und dem Wertkonservativen Alexander Gauland, eine gute Balance gefunden. Sie sind nicht entschieden, aber vielleicht muss man solche Kämpfe auch gar nicht entscheiden.

Vielleicht wird erst die politische Entwicklung zeigen, aus welcher Richtung die richtigen Antworten auf die Probleme unserer Zeit kommen. Ich arbeite täglich im Wahlkampf, halte Vorträge und stehe in engem Kontakt zu den Spitzenkandidaten und auch zu den anderen Bundestagskandidaten.

Und ich kann Ihnen sagen: Alle konzentrieren sich 100-prozentig auf den Wahlerfolg. Momentan liegen wir wieder im zweistelligen Bereich. Und wenn niemand aus der Reihe tanzt, weil er meint, sich auf Kosten der Partei profilieren zu müssen, dann sind die 15 Prozent gut möglich, die Alice Weidel nach ihrer Wahl an die Spitze ausgerufen hat.

Gehen wir davon aus, dass die AfD in den Bundestag einzieht. Was wären die wichtigsten und wesentlichsten Punkte, die seitens der AfD anzustreben wären, um Deutschland nach vorne zu bringen?

Frohnmaier: Wir werden uns nicht mit Kosmetik zufrieden geben, wir werden auch nicht bloß Populismus betreiben. Unser Anspruch ist es, die Probleme, die ich oben angesprochen habe, an der Wurzel zu packen, egal, ob als Regierungspartei oder als Opposition. Wenn wir bald als einzige wahre Oppositionspartei im Bundestag sitzen, dann werden wir die Altparteien dazu drängen, Recht und Gesetz wieder einzuhalten. Asyl nur für Asylberechtigte, klare Regeln für Einwanderung. Wir sehen ja gerade, dass die Missachtung von Recht und Gesetz zu einer schleichenden Auflösung Deutschlands führt. Schluss mit dem Bruch des Vertrags von Maastricht, strikte Einhaltung der Nichtbeistandsklausel, damit die Schulden im Euroraum nicht länger sozialisiert werden und die Spareinlagen der Deutschen zerstören. Die wichtigste Aufgabe der AfD besteht genau darin, Deutschland wieder zu einem Rechtsstaat zu machen, der sich an Recht und Gesetze hält, so wie es vor der Ära Merkel zumindest die Regel war.

An welche Koalitions- bzw. Regierungsvarianten glauben Sie nach der Wahl? Wird es hier Veränderung geben oder mit Merkel einen Kurs wie bisher?

Frohnmaier: Im Augenblick sieht es ja nach Schwarz-Gelb aus. Im Ergebnis läuft es also auf eine große Koalition ohne SPD, dafür mit Steuerermäßigung für Hoteliers hinaus. Ob die SPD oder die FDP an der Regierung beteiligt ist, ergibt keinen spürbaren Unterschied. Es wird keine Obergrenze für die illegale Einwanderung geben, es wird keine Schließung der Grenzen geben, die Polizei wird weiter kaputtgespart, die Familie zerstört, und der deutsche Sparer rettet auch in Zukunft bankrotte Euro-Staaten, um im Alter später Flaschen sammeln zu gehen. Die AfD wird eine unangenehme Opposition sein, eine realpolitische Opposition, aber auch eine Systemopposition, wo die Fehler im System liegen. Im Grunde müssten wir schon 2017 an die Regierung, um das Schlimmste noch abzuwenden. Meine Hoffnung: Die CDU wird sich in einer weiteren Legislaturperiode unter Merkel zu Tode regieren. Und 2021 ist dann der Weg frei für eine bessere Politik, eine Politik für das Volk.

 

Markus Frohmaier geboren 1991 in Craiova, Rumänien, ist Bundesvorsitzender der Jungen Alternative für Deutschland (JA). Er kandidiert im Spitzenquartett von Baden-Württemberg für den Bundestag und ist Direktkandidat im Wahlkreis Böblingen. Frohnmaier war bis Ende 2016 Pressesprecher von Frauke Petry und arbeitet seit Mai als Sprecher für die AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel.

 

[Bild: "Thomas Kierok i.A.v. ZDF NEO für das Format Volksvertreter"]