Während die Türkei den Europäern auf der Nase herumtanzt, erpresst die EU kleine, beitrittswillige Länder. Wie der russische Außenminister Sergej Lawrow erklärte, bestehe Brüssel darauf, dass Belgrad das serbisch-russische humanitäre Zentrum schließen müsse, wenn es der EU beitreten wolle. In diesem Zusammenhang warf Lawrow der EU vor, einen Keil zwischen die traditionell sehr eng befreundeten Staaten Serbien und Russland treiben zu wollen.

Wie Lawrow anlässlich eines Besuchs in Serbien des Weiteren sagte, betrachte Brüssel das in der südserbischen Stadt Nis gelegene humanitäre Zentrum als „Spionen-Nest“ sowie als „Bedrohung für die europäische Sicherheit“. Das serbisch-russische humanitäre Zentrum wurde 2012 gegründet, um in Serbien und anderen Balkanstaaten Hilfe bei Notfallsituationen, etwa bei Waldbränden, leisten zu können. Zudem werden auch Notfallteams für Hilfs- und Rettungseinsätze ausgebildet.

Der Spionagevorwurf und die Verknüpfung der Schließung der humanitären Einrichtungen mit den serbischen EU-Bestrebungen dienen offenbar dazu, Russland aus dem, Balkan hinauszudrängen. Schließlich wurde unlängst in Washington beschlossen, auch Serbien in sogenannte euro-atlantische Institutionen, also EU und NATO, einzubinden. Und Brüssel nimmt die Rolle des Ausführungsorgans der USA ein.

Jedenfalls zog Lawrow Parallelen zum Nachbarstaat Montenegro, der bald dem Nordatlantikpakt beitreten wird. Der russische Außenminister ist überzeugt, dass der Druck der EU auf Serbien „auf die gleiche Weise funktionieren soll wie auf die Führer von Montenegro, die all ihre Verpflichtungen und Versprechen brachen und Russland verrieten, obwohl Russland nichts getan hat“. Tatsächlich gibt es innerhalb der EU einflussreiche russophobe Kreise. Zu ihnen gehört beispielsweise EU-Ratspräsident Donald Tusk, der im Oktober – ohne Beweise auf den Tisch zu legen – Moskau „Luftraumverletzungen, Desinformationskampagnen, Cyber-Angriffe und Einmischung in den politischen Prozess“ vorgeworfen hatte.

 

[Text: B. T.; Bild: Amio Cajander/wikimedia.org]