Die EU will vor der libyschen Küste mit einem Marineeinsatz gegen die Schlepperboote vorgehen, die illegale Einwanderer nach Europa bringen. Doch beim „Schiffe versenken“ dürfte es nicht bleiben. Denn die als seriös geltende britische Zeitung „The Guardian“ berichtete unter Berufung auf ein 19-seitiges Strategiepapier zum Libyen-Einsatz, dass auch Einsätze mit Bodentruppen in Erwägung gezogen werden, um die gesamte Infrastruktur der Schlepper, also nicht nur die Boote, sondern auch Treibstofflager zu zerstören.

„Der Einsatz könnte einen breiten Bereich von Luft-, See- und Land-Fähigkeiten erfordern. Diese könnten umfassen: Aufklärung und Überwachung, Verpflegungseinheiten, Spähtrupps (Luft und See), Amphibienfahrzeuge, Einheiten zur Zerstörung, einschließlich Spezialkräfte, zur Zerstörung von der Luft, vom Land und vom Wasser aus“, zitiert die Zeitung aus dem EU-Strategieplan.

Begründet wird der – nicht wahrscheinliche – Einsatz von Bodentruppen mit der prekären Sicherheitslage in Libyen. Bekanntlich hat der von EU und USA herbeigeführte Sturz von Machthaber Muammar Al-Gaddafi 2011 ein Machtvakuum hinterlassen und das nordafrikanische Land in einen „gescheiterten Staat“ verwandelt. So heißt es in dem, dem „Guardian“ vorliegenden Dokument: „Das Vorhandensein schwerer militärischer Bewaffnung (einschließlich küstennaher Artilleriegeschütze) und militärähnlicher Milizen stellen eine große Gefahr für die Schiffe und Flugzeuge dar, die in der Umgebung im Einsatz sind.“ Auch ist die Rede davon, dass ein „hohes Risiko von Kollateralschäden“, also des Todes unbeteiligter Zivilisten, bestehe.

 

B. T.

 

 

(Bild: Noborder Network/Flickr)