Gut drei Monate vor der Europawahl wird das politische Establishment der EU zunehmend nervös. Schließlich sind quer durch den Kontinent patriotische Erneuerungsbewegungen im Vormarsch, während den Systemparteien Verluste vorhergesagt werden. Und die Aussicht auf eine drohende Niederlage veranlasst manchen zu einem verbalen Amoklauf, wie es etwa kürzlich Günther Oettinger bei einem Neujahrsempfang der CDU getan hat.

Der EU-Haushaltskommissar sagte zuerst, er hoffe, dass bei der EU-Wahl die „Populisten und Nationalisten“ ausgebremst werden. Patriotischen Parteien wie der FPÖ, der AfD, der italienischen Lega oder den Schwedendemokraten warf Oettinger vor, die EU zerstören zu wollen. Und dann legte der EU-Kommissar noch eins drauf und sagte, Matteo Salvini sei der „Spindoktor der Trump-Kampagne“ und beschimpfte den italienischen Innenminister als „Drecksack vom Feinsten“.

Der ständige EU-Ratspräsident Donald Tusk scheint hingegen in der Tradition mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Inquisitoren zu stehen. Angesichts der Debatte, ob es zu einem harten Brexit kommen wird oder nicht, versprach Tusk den Befürworten des EU-Austritts Großbritanniens ohne Abkommen mit Brüssel einen „besonderen Platz in der Hölle“: „Ich frage mich, wie dieser besondere Platz in der Hölle für die Brexit-Verfechter aussieht, die noch nicht einmal in Umrissen einen Plan haben, wie das auf sichere Weise realisiert werden soll“.

Und der EU-Abgeordnete Guy Verhofstadt, ein ehemaliger belgischer Ministerpräsident und bekennender EU-Zentralist, schrieb auf Twitter: „Ich bezweifle, ob sie Luzifer willkommen heißen würde, weil nachdem, was sie (die Brexit-Befürworter, Anm.) Großbritannien angetan haben, würden sie es sogar schaffen, die Hölle zu spalten.“

[Text: B.T.; Bild: www.wikipedia.org/EU2016 NL from The Netherlands; Lizenz: CC BY 2.0]