Sebastian Kurz sollte sich gut überlegen, ob er bei der nächsten EU-Wahl tatsächlich Othmar Karas an den Start schickt. Wenn ja, wird er sich wohl die nächsten fünf Jahre über auf sukzessive Querschüsse aus dem Büro des Brüsseler Eurokraten einstellen müssen.

Fast schon im Wochenrhythmus nämlich verfällt Karas in den Streitmodus und versucht mit allen Mittel, einen Zwist zwischen die neue ÖVP und die FPÖ zu bringen. Traurig nur, dass nicht einmal mehr aus den eigenen Reihen auf den politischen Querulantenzug aufgesprungen wird. Karas ist praktisch mit seiner Meinung isoliert in der ÖVP und suhlt sich höchstens im Zuspruch der NEOS oder anderer Oppositionskräfte. Die Partei muss wohl gewusst haben, wieso sie ihrem neuen, alten Gesicht in Brüssel sogar seinerzeit Ernst Strasser als Spitzenkandidat vorgezogen hatte.

Diesmal ist es die Indexierung der Familienbeihilfe, die dem alteingesessenen, gutbezahlten ÖVP-Funktionär zu schaffen macht. Die Indexierung sei rechtswidrig und diskriminierend. Dass allerdings auch EU-Gesetze abänderbar und erneuerungswürdig sind, scheint Othmar Karas nicht in den Sinn zu kommen. Für ihn ist Brüssel sakrosankt. Und jeder, der auch nur ein Wort der Kritik, eine Geste der Missgunst gegenüber der europäischen Politik zum Ausdruck bringt, wird unverzüglich überschüttet vom heiligen Zorn des Hohepriesters der EU. Dieser Zorn hat sich nun in einem Sujet der Freiheitlichen Arbeitnehmer entladen, das laut Karas „auf erschreckende und widerwärtige Art und Weise“ zeige, „welcher Geist in der FPÖ dahintersteht." Zwar nicht ganz deutsch, aber für‘s Zielpublikum reicht’s allemal.

FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky betonte, Karas habe die „Zeichen der Zeit“ nicht erkannt und merkte an, dass die „abgewählte rot-schwarze Politik des Geldverteilens an Nichtösterreicher in anderen EU-Staaten vorbei" sei.

[Text: A.L.; Bild: Wikipedia/Oest. Außenministerium/Dragan Tatic; Lizenz: CC BY 2.0]