Bei Chinas Beitritt zur Welthandelsorganisation WTO im Jahr 2001 schien alles in schönster Ordnung und in weiter Ferne. Die Chinesen versprachen jede Menge marktwirtschaftlicher und rechtsstaatlicher Reformen und würden dann 15 Jahre später automatisch zur Marktwirtschaft ernannt. Schlecht verhandelt, denn die Genossen taten vorhersehbar nichts dergleichen. Für die chinesische Führung war und ist das offiziell nur ein längst überfälliger Prestigegewinn, ähnlich wie der Beitritt des Yuan zum Währungskorb der Sonderziehungsrechte des IWF im November, der als „Renaissance Chinas“ bejubelt wurde.

Tatsächlich aber ermöglicht jener neue Rechtsstatus, der am 11. Dezember fällig ist, eine Exportoffensive ohnegleichen. Chinas Wachstum geht derzeit auf sechs Prozent jährlich herunter. Überall, vor allem im Stahlsektor, gibt es schuldenfinanzierte Überkapazitäten, die mit einem um 4,5 Prozent abgewerteten Yuan in den Export drängen. Schon während der letzten zwei Jahre haben sich die chinesischen Stahlexporte verdoppelt. Die chinesischen Überkapazitäten entsprechen ziemlich genau dem Zweifachen der europäischen Gesamtproduktion, mit 330.000 Arbeitnehmern in 500 Standorten. Der Stahlpreis halbierte sich im letzten Jahr; die deutschen Energiekosten liegen dank Merkels Energiewende 20 Prozent über den chinesischen. Die Schließung einer Stahlhütte bedeutet vor Ort immer eine soziale Katastrophe, denn andere Arbeitsplätze gibt es nicht.

Bislang konnte die Europäische Kommission beim Verdacht chinesischer Dumpingexporte recht locker mit dem Blick auf höhere Vergleichs-preise in Drittländern entsprechende Strafzölle erlassen. Von insgesamt 68 Strafzöllen wurden 52 gegen China verhängt. Bei Solarpanelen betragen sie 50 Prozent, um die europäische Industrie vor unlauterem Wettbewerb zu retten. Im Stahlsektor allein gibt es 37 solcher Schutzzölle. Von derzeit 28 anhängigen Anti-Dumping Verfahren betreffen 16 das Reich der Mitte. Mit Chinas Marktwirtschaftsstatus würde dies viel schwieriger.

 

Lesen Sie mehr zu diesem Thema in der neuen Ausgabe der Zur Zeit, entweder hier als E-Paper, oder ab Freitag in Ihrem Kiosk

 

[Bild: Steve Jurvetson/flickr]