So manchem evangelischen Pastor in Deutschland scheint politische Agitation wichtiger zu sein als die Seelsorge. Einer von ihnen ist Wolfgang Raiser, der in der Kleinstadt Mengen in Baden-Württemberg tätig ist. Der Geistliche hat einen Brief seines Kollegen Pfarrer G. Gauß im offiziellen Kirchenblatt seiner Gemeinde veröffentlicht, weil er ihm „aus der Seele spricht“. Und dieses an die „lieben Russlanddeutschen oder Spätaussiedler“ gerichtete Pamphlet strotzt nur so vor antirussischer Propaganda und unterstellt den beiden genannten Gruppen, Anhänger eines bösen Diktators zu sein.

Pastor Raiser beklagt sich, dass „auch in unserer Gemeinde der Diktator Putin, der den Massenmörder Assad unterstützt, leider mit seiner Lügenpropaganda Gehör findet“. Auch behauptet Raiser, der russische Präsident schüre einen „rechtsnationalen Geist“. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass der Pastor linke Ansichten gutheißt, was er dann auch bestätigt. So schreibt er in Bezug auf die Masseneinwanderung – die von den Russlanddeutschen und Spätaussiedlern offenbar entschieden abgelehnt wird – man müsse „human mit denen umgehen, die aus Todesgefahr oder Überlebenswillen zu uns fliehen“. Und „Hass auf Fremde“ führe „am Ende uns alle ins Unglück“.

Die Pauschalverunglimpfung dürfte bei den Russlanddeutschen aus verständlichen Grünen nicht gut angekommen sein. Denn Raiser sah sich gezwungen, im Kirchenblatt seiner Gemeinde klarzustellen, es sei nicht seine Absicht gewesen „Sie alle für die Politik und Propaganda von Wladimir Putin verantwortlich zu machen“. Aber das ändere nichts an der Tatsache von Putins „totalitärer Politik, der gewaltsamen Beseitigung von Kritikern und seiner katastrophalen Kriegsführung in Syrien“.

 

[Text: B. T.; Bild: Screenshot Offizieller Gemeindebriefes der Evangelischen Kirche Mengen (S.8)]