Was gegenwärtig im Nahen Osten passiert, ist alles andere als überraschend. Die aktuelle Kriegstreiberei verläuft exakt nach einem Programm, dass schon vor einigen Jahren in den Hinterzimmern der Neocons beschlossen worden ist. Die weltweite geopolitische Strategie der „Falken“ ist quasi ein offenes Geheimnis. Die einzelnen Ereignisse und Schritte sind natürlich auch einem gewissen Element von Zufall und Opportunität unterworfen, doch die Stoßrichtung ist klar erkennbar, und somit ergibt alles einen Sinn.
Seit Langem existiert eine „Abschussliste“ von Staaten, von denen gewisse Kreise in Israel meinen, dass sie ihrem Lande im Wege stehen. Dazu gehören auch u. a. der Irak, Syrien und der Iran. Israel ist bekanntlich in der islamischen Welt nicht sehr beliebt. Bisherige Invasionsbestrebungen der Araber konnten abgewehrt werden, doch hatte Israel, etwa im überstürzten Sechstagekrieg, auch große Vorteile auf seiner Seite. Dass Israel trotz seiner bescheidenen Größe eine derartige militärische Übermacht hat (die zukeinem Zeitpunkt ohne massive Unterstützung vieler Westmächte möglich gewesen wäre), ist jedoch nicht in Stein gemeißelt.
Daher hat der Kleinstaat kein Interesse an stabilen Regierungen, die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklungen fördern, insofern es sich um potentielle Feinde handelt. Wenn man sich bei gewissen Aktionen, z.B. der massiven Unterstützung von islamistischen Milizen, fragt, worin der militärische Nutzen und die langfristige Strategie bestehen, dann hat man nicht verstanden, dass Destabilisierung, Rückentwicklung durch Islamisierung und Abnutzung der Kräfte durch ergebnislose Kriege, durchaus an sich bereits Ziele sein können, wenn das bloße Erstarken gewisser Mächte an sich befürchtet wird.
Zudem gibt es eine innerislamische Spaltung. Mit dem Westen und Israel verbündete wahhabitische (radikal-sunnitische) Staaten wie Saudi-Arabien wollen sich gegen ihre schiitischen Konkurrenten durchsetzen...

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[Bild: Glenn Fawcett ]