Offenbar ist der frühere Bundespräsident Heinz Fischer mit seinem nunmehrigen Amt als Organisator des Gedenkjahres 2018 zeitlich nicht ausgelastet. Denn der SPÖ-Politiker fühlt sich bemüßigt, in Interviews gegen die neue türkis-blaue Bundesregierung – die ihm ganz und gar nicht gefällt – herzuziehen. So sagte Fischer, der selbst in der Hofburg seinen Stallgeruch als roter Apparatschik nie loswerden konnte, dem Magazin „profil“, die Installierung von Generalsekretären mit Weisungsrecht in den Bundesministerien könne er „nicht gutheißen“. Denn dadurch wollten ÖVP und FPÖ „hochqualifizierte Mitarbeiter an die kurze Leine nehmen“. Wie hochqualifizierte Mitarbeiter mundtot gemacht werden, zeigt ein kurzer Blick ins SPÖ-regierte Wien.

Auch verhehlte Fischer nicht seine Abneigung gegenüber den Freiheitlichen. Er bezweifelte, dass die FPÖ-Minister, insbesondere Innenminister Herbert Kickl, das erforderliche Maß an „Verantwortung, Zurückhaltung und Vertrauenswürdigkeit“ im Umgang mit sensiblen Daten hätten. „Das muss unter Beweis gestellt werden, sonst könnte das ein ernstes Problem unserer Demokratie werden“, sagte Fischer. Für den ehemaligen Bundespräsidenten sind die Freiheitlichen also ein potenziell ernstes Problem für unsere Demokratie.

Es kommt nicht zufällig, dass nun gerade Fischer mit seinen (entbehrlichen) Wortspenden die Öffentlichkeit beglückt. Denn die SPÖ ist derzeit vor allem mit sich selbst beschäftigt, und deren Chef Christian Kern muss die Rolle als Oppositionsführer erst finden – was natürlich schwierig ist, da sich ein Oppositionspolitiker nicht so leicht inszenieren kann wie ein Bundeskanzler. Nicht auszuschließen ist, dass die SPÖ mit ihrer Anti-Regierungs-Rhetorik Fischer vorschickt, in der Hoffnung, dass das frühere Staatsoberhaupt immer noch als eine über der Parteipolitik befindliche moralische Instanz wahrgenommen wird.

 

[Text: B. T.; Bild: Arne Müseler / arne-mueseler.de / CC-BY-SA-3.0]