Es war kein Geheimnis, das James Woolsey im US-Fernsehsender Fox enthüllte. Auf die Frage, ob sich die USA in die Wahlen fremder Länder einmischen, antwortete der ehemalige Direktor des Auslandsgeheimdienstes CIA: „Na ja, aber nur für einen sehr guten Zweck im Interesse der Demokratie.“ Dieser „gute Zweck im Interesse der Demokratie“ bestand laut Woolsey darin, „eine Machtübernahme der Kommunisten zu verhindern“.

Anscheinend bezog sich Woolsey, der unter Präsident Bill Clinton CIA-Direktor war, auf die russische Präsidentenwahl 1996, bei der die USA dem vom Alkoholismus gezeichneten Boris Jelzin zur Wiederwahl verhalfen. Am 15. Juli 1996 prangte eine Karikatur von Jelzin, der eine US-Flagge in der Hand hielt, vom Titelblatt des „Time“-Magazin. Und die Aufmachergeschichte lautete: „Die geheime Geschichte, wie amerikanische Berater Jelzin halfen, zu gewinnen.“

Dass die USA das Recht für sich in Anspruch nehmen, ausländische Wahlen zu manipulieren, während sie sich gleichzeitig wegen der angeblich und bislang unbewiesenen russischen Einmischung in den Präsidentschaftswahlkampf 2016 aufregen, bestätigte am 17. Februar auch die renommierte „New York Times“. „Russland ist nicht die einzige Einmischung in Wahlen“, lautete der Titel eines Kommentars. Dabei bedienen sich die USA aller möglichen Praktiken, um das Wahlverhalten zu beeinflussen: „Taschen mit Geld wurden in einem Hotel in Rom für einen bevorzugten italienischen Kandidaten abgeben. Um eine Wahl in Nicaragua zu drehen, wurden ausländischen Zeitungen Skandalgeschichten zugespielt. Millionen Flugblätter, Poster und Anstecker wurden gedruckt, um einen Amtsinhaber in Serbien zu besiegen.“

[Text: B. T.; Bild: Ausschnitt time.com]