Klare Worte zur bundesdeutschen Russlandpolitik findet der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder. Berlin hätte nicht zulassen dürfen, dass die EU-Kommission „nur mit der Ukraine und nicht auch mit Russland über eine EU-Assoziierung verhandelte“, kritisiert Schröder in einem Interview mit dem „Spiegel“. Für falsch hält der ehemalige SPD-Politiker auch die Versuche, Russland international zu isolieren. Einen Ausschluss Russlands aus der G8-Gruppe hätte er als Kanzler abgelehnt. „Gerade in der Krise sind Gespräche zwingend erforderlich“, betont Schröder.

Zudem zeigte der Alt-Bundeskanzler Verständnis für die russische Sorge wegen der Osterweiterung der NATO: „Mit dem Ende der Sowjetunion hat der Warschauer Pakt aufgehört zu existieren, während die Nato nicht nur weiterbestand, sondern sich erheblich nach Osten ausgedehnt hat.“

Der Sozialdemokrat hatte auch früher die Russland-Politik des Westens kritisiert. Ende 2014 sagte er in einem Vortrag an der Universität Regensburg: „In Europa kann es keinen dauerhaften Frieden geben, wenn man Russland abstößt, ohne es einzubeziehen, ob politisch oder ökonomisch.“

 

B. T.

 

 

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