Beste Freunde werden die beiden Genossen wohl nicht mehr werden. Zuerst blieb der Altbundeskanzler und frühere SPD-Chef Gerhard Schröder dem Parteitag fern, auf dem Martin Schulz zum Vorsitzenden der deutschen Sozialdemokraten gewählt wurde. Und nun warnte Schröder in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ vor einer rot-rot-grünen Regierung nach der Bundestagswahl im September.

Nachdem Schulz Rot-Rot-Grün im Bund nicht ausgeschlossen hatte, erklärte Schröder, diese Koalition sei erst dann sinnvoll, wenn bei der Linken „vernünftige Leute“ wie etwa der thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow das Sagen hätten. Das sei aber derzeit nicht der Fall: „Ich glaube nicht, dass man das hinbekommt, solange die Familie Lafontaine in der Linkspartei tonangebend ist.“ Schröder spielte damit auf seinen langjährigen innerparteilichen Rivalen Oscar Lafontaine an. Heute sind Lafontaine und dessen Ehefrau Sahra Wagenknecht einflussreiche Figuren in der Linkspartei.

Der rote Altkanzler warnte den SPD-Kanzlerkandidaten zudem, inhaltlich zu sehr nach links zu rücken. Mit Parolen, die nach Lafontaine klängen, werde es der SPD nicht anders gehen als der Union auf der Rechten. „Dann wählen die Leute das Original und nicht das Plagiat.“ Schulz hatte zuletzt wiederholt Teile der „Agenda 2010“, das unter Schröder entwickelte und beschlossene Konzept der Reform des bundesdeutschen Sozialsystems und Arbeitsmarktes kritisiert. So meinte Schulz, die beschlossenen Maßnahmen seien zwar „die richtige Antwort auf eine Phase der Stagnation“ gewesen, jedoch seien auch Fehler gemacht worden: „Wir hätten gleichzeitig den Mindestlohn einführen und Superreiche stärker belasten müssten.“ Die Jagd auf die „Superreichen“ war bisher Alleinstellungsmerkmal der Linkspartei sowie des linken Flügels der Grünen.

 

[B. T.; Bild: Olaf Kosinsky/Skillshare.eu]