Im Vorjahr ließ Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu nichts unversucht, um das internationale Abkommen zur Lösung des Streits über das iranische Atomprogramm zu hintertreiben. Mit der Behauptung, die Islamische Republik, insbesondere, wenn sie über Atomwaffen verfügt, stelle eine existenzielle Bedrohung für Israel dar, versuchte Netanjahu, die internationale Gemeinschaft in Geiselhaft zu nehmen.

Die Wirklichkeit sieht jedoch anders aus, wie nun der frühere Chef des israelischen Geheimdienstes Mossad, Tamir Pardo, erklärte: „Von außen gibt es keine existenzielle Bedrohung für Israel, die einzige wahre existenzielle Bedrohung ist die innere Spaltung“, zitiert ihn die „Jerusalem Post“. Pardo warnte bei seinem ersten öffentlichen Auftritt seit er im Juni aus dem Amt geschieden war, auch davor, dass „uns die innere Spaltung in einen Bürgerkrieg führen kann – und wir bereits auf dem Weg dorthin sind“. Wenn nämlich eine Gesellschaft eine bestimmte Linie der Spaltung und des Hasses überschreite, gäbe es eine echte Möglichkeit, ein Phänomen wie einen Bürgerkrieg zu sehen.

Der Staat Israel hat derzeit etwas mehr als 8,5 Millionen Einwohner. Davon sind 74,8 Prozent Juden, 20,8 Prozent Araber und 4,4 Prozent bezeichnen sich als „andere“. In der angeblich „einzigen Demokratie“ im Nahen Osten werden die Araber in vielen Bereichen diskriminiert, sind etwa vom Militärdienst ausgeschlossen. Im Alltag leben Juden und Araber oftmals nicht miteinander, sondern nebeneinander, wenn nicht sogar gegeneinander. So haben Juden und Araber etwa eigene Wohngebiete, Schulen und Medien und verfolgen unterschiedliche politische Ziele.

Überschattet wird das politische Klima vom israelisch-palästinensischen Konflikt, an dessen Lösung Premier Netanjahu nicht das geringste Interesse zeigt. Und auch zur Palästinenserfrage findet Pardo klare und vernünftige Worte. Auf die Frage eines Reporters antwortete der frühere Mossad-Chef, ohne eine diplomatische Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts „werden wir niemals in der Lage sein, eine Normalisierung mit unseren arabischen Nachbarn zu erreichen.“

 

[Text: B. T.; Bild: Government Press Office of Israel - Haim Zach]