Anders Fogh Rasmussen, von 2009 bis 2014 Generalsekretär der NATO, ist davon überzeugt, dass die aggressive US-Außenpolitik zur Verhinderung von Konflikten notwendig sei. „Die USA müssen der Weltpolizist sein“, sagte der Däne dem Fernsehsender Sky News. Zudem kritisierte Rasmussen den scheidenden US-Präsidenten Obama, weil dieser seiner Meinung nach zu wenig Kriege geführt hat: „Ich denke, Präsident Obama hat zu sehr gezögert, militärische Gewalt einzusetzen oder mit militärischer Gewalt zu drohen, um Konflikte in der Welt zu verhindern.“

Warum der Weltpolizist USA angeblich gebraucht werden, begründete Rasmussen folgendermaßen: „Supermächte setzen sich nicht zur Ruhe. Sehen Sie sich um, und Sie sehen eine Welt in Flammen. In Syrien findet ein Krieg und Konflikt statt, der Irak steht am Rande des Zusammenbruchs, Libyen ist ein gescheiterter Staat in Nordafrika, Russland greift die Ukraine an und destabilisiert Osteuropa, China zeigt Muskeln, und der Schurkenstaat Nordkorea droht mit Atomwaffenangriffen.“ Was Rasmussen jedoch nicht sagte, ist, dass die USA mit ihrer aggressiven Außenpolitik für die Krisen in Syrien, dem Irak, Libyen und der Ukraine verantwortlich sind.

Wenig überraschend ließ der frühere NATO-Generalsekretär, der seit 2015 als Berater für die Spekulationsbank Goldman Sachs tätig ist, anklingen, dass er auf einen Wahlsieg Hillary Clintons hofft. Clinton, die über ausgezeichnete Beziehungen zur Hochfinanz verfügt, hatte angekündigt, dass sie als Präsidentin eine „aktivere“, also eine kriegerischere Außenpolitik betreiben will.

Von der Aussicht auf eine mögliche Präsidentschaft Donald Trumps dagegen ist Rasmussen nicht angetan: „Wir wissen nicht, was die genaue Politik seiner Regierung sein wird. Aber wenn man seine Aussagen für bare Münze nimmt, glaube ich, dass es für die Welt sehr gefährlich sein wird.“ Der Republikaner will Militärabkommen, die für die USA unvorteilhaft sind, annullieren, zudem will er den Dialog mit Russland suchen.

 

[Text: B. T.; Bild: U.S. Navy Petty Officer 1st Class Chad J. McNeeley/defense.gov]