Nachdem Alexander Van der Bellen die Bundespräsidentenwahl gewonnen hat, brechen nun innerhalb der Grünen alte Gräben wieder auf. Nachdem der Abgeordnete Peter Pilz Eva Glawischnig kritisiert hatte und unter anderem meinte, man müsse „an die Stammtische“, schlägt nun die Parteichefin zurück. Im „Standard“ lässt Glawischnig wissen, Pilz‘ Gerede von den Stammtischen sei „extrem ignorant“. Zudem richtet die grüne Parteichefin ihrem Kritiker aus: „Wir machen das seit Jahren, wir machen Hausbesuche, Lokaltouren, wir gehen in die Betriebe. Gerade in den Bundesländern laufen die Leute, dazu brauchen wir nicht den Ratschlag eines Abgeordneten.“ Was Glawischnig nicht sagt, ist, dass die von ihr angesprochenen „Lokaltouren“ vor allem in Grün-affinen städtischen Ballungszentren stattfinden.

An Todfeinde und nicht an Parteifreunde erinnert auch Glawischnigs Aussage, wonach Pilz „gar nicht mitkriegt, was sich in der Partei abspielt“. Dieser komme aus einer Zeit, als die Partei bei vier oder fünf Prozent lag, während die Grünen jetzt bei 13 Prozent liegen. Den gesteigerten Wählerzuspruch heftet sich Glawischnig auf die Fahnen und sagt, „ich lasse mir unseren Erfolg von Pilz nicht schlechtreden“.

Beim Schlagabtausch zwischen Glawischnig und Pilz geht es darum, wie sich die Grünen den Wählern verkaufen wollen. Während Pilz, der einst in der kommunistischen „Gruppe Revolutionäre Marxisten“ politisch aktiv war, einen ausdrücklich linken Kurs verlangt, will Glawischnig das neomarxistische Gesicht der Grünen so weit es geht verbergen. Diese Strategie funktionierte bekanntlich, um Van der Bellen in die Hofburg zu bringen. Denn wie der „Standard“, der so etwas wie ein Haus- und Hofblatt der Grünen ist, schreibt, sei für die Parteichefin klar, „dass die Grünen nach diesem Wahlkampf wieder kantiger auftreten müssten, dass man analysieren müsse, was man aus dem Erfolg Van der Bellens lernen könne“.

Das lässt darauf schließen, dass die Grünen im stillen Kämmerlein überlegen, wie nun im Hinblick auf die nächste Nationalratswahl nach der Anti-Hofer-Koalition eine Anti-FPÖ-Koalition gezimmert werden könnte. Schließlich verfolgen die Grünen keine positiven Ziele, sondern rein negative, im dem sie eine freiheitlich geführte Bundesregierung um jeden Preis verhindern wollen. „Die Freiheitlichen in der Hofburg haben wir verhindert, jetzt geht es um den Ballhausplatz“, wird Glawischnig im lachsrosafarbenen Blatt zitiert. Allerdings wird es – im Gegensatz zur Bundespräsidenten-Stichwahl – ein weitaus größeres Bewerberfeld geben, und der Oligarch Hans Peter Haselsteiner wird eher die Neos als die Grünen finanzieren.

 

[Text: B. T.; Bild: Christian Jansky/wikimedia.org]