Bei Facebook scheint regelrechte Kriegsstimmung zu herrschen. So sprach Samidh Chakrabarti, der die Abteilung für „bürgerschaftliches Engagement“ von Facebook leitet, in einem Interview mit dem US-Sender NBC News wörtlich von „war room“ und „Rüstungswettlauf“. Der Grund sind die am 6. November stattfindenden Zwischenwahlen zum US-Kongress, wo angeblich eine russische Einmischung um jeden Preis verhindert werden müsse.

Wie Chakrabarti zwischen den Zeilen durchblicken ließ, geht dabei aber vor allem um die Zensur missliebiger Inhalte, und zwar in enger Zusammenarbeit mit den US-Geheimdiensten. Eine zentrale Rolle dürfte auch die Denkfabrik „Atlantic Council“ spielen, mit der Facebook zur Bekämpfung von Falschmeldungen in Zusammenhang mit Wahlen eingegangen ist. Der Atlantic Council verfügt über besonders enge Beziehungen zur NATO.

So sagte der Facebook-Mann, innerhalb eines Zeitraums von sechs Monaten sei mehr als eine Milliarde falscher Profile entdeckt, blockiert und entfernt worden. Zudem wurde innerhalb eines Jahres die Sicherheitsabteilung von 10.000 auf 20.000 Mitarbeiter aufgestockt. Chakrabarti zufolge werden zum Aufspüren angeblicher Falschnachrichten „unsere besten Geheimdienstermittler“ eingesetzt. An anderer Stelle räumte er ein, „wir haben Leute, die als Geheimdienstermittler ausgebildet wurden“.

Schließlich gehe es darum, die Lehren aus der letzten Präsidentenwahl zu ziehen: „2016 haben wir neue Bedrohungen gesehen, die wir nie zuvor gesehen hatten. Deshalb haben wir diese großen Anstrengungen quer durch das Unternehmen mobilisiert.“ Bis heute wird ohne stichhaltige Beweise gebetsmühlenartig behauptet, Russland habe sich in die US-Präsidentenwahl 2016 eingemischt und so Donald Trump zum Sieg verholfen.

[Text: B.T.; Bild: Wikipedia/Derzsi Elekes Andor; Lizenz: CC BY-SA 3.0]