Die Wahl zum ungarischen Parlament im Frühjahr 2018 wirft ihre Schatten voraus. Die brustschwache, aber bei westlichen Medien wohlgelittene Links-Opposition versucht, dem volkstümlichen Ministerpräsidenten Viktor Orbán ans Zeug zu flicken. Dies sei anhand zweier Fälle dargestellt.

Erstens: Ein angeblicher „Tabubruch“ (so „Der Spiegel online“), weil Orbán den einstigen Reichsverweser Miklós Horthy einen außergewöhnlichen Staatsmann (kivételes államférfiú) genannt habe, obwohl Horthy Antisemit und Hitler-Verbündeter gewesen sei. Die zweite Sache betrifft die Schließung eines Budapester Lokals, das „Orbán ein Dorn im Auge sei“ (so die „Neue Zürcher Zeitung“).

Am Mittwoch, dem 21. Juni, wird in Pesthidegkút (Teil des noblen zweiten Bezirks von Budapest) das restaurierte Klebelsberg-Schloss eröffnet. Nebenbei: Pesthidegkút liegt entgegen seinem Namen nicht auf der Pester, sondern auf der Budaer Seite der Donau. Kunó Graf Klebelsberg kaufte 1923 das Anwesen, starb jedoch bereits 1932 mit kaum 57 Jahren. Der Graf mit Tiroler Vorfahren führte zwischen 1922 und 1931 das Unterrichtsressort und machte sich überaus verdient: Hunderte neue Volksschulen für die oft einschichtig gelegenen Gutshöfe (tanyák) wurden auf seine Initiative hin erbaut. Dadurch kommen die Kinder der Knechte und Mägde in den Genuss elementarer Schulbildung.

Zurecht wird Klebelsberg von Viktor Orbán als einer der hervorragenden Staatsmänner des Ungarn der Zwischenkriegszeit gewürdigt. In diese Reihe stellt der Premier auch das damalige Staatsoberhaupt Admiral Miklós Horthy und den langjährigen Regierungschef István Graf Bethlen. Solche Männer hätten den Wiederaufbau Ungarns nach dem Ersten Weltkrieg und nach dem Diktat von Trianon (1920; dadurch verliert Ungarn zwei Drittel seines Staatsgebiets an seine Nachbarländer; Millionen ethnischer Magyaren finden sich plötzlich als Bürger Rumäniens, der Tschechoslowakei und Großserbiens wieder) erfolgreich bewerkstelligt.

Hinsichtlich der Person des Reichsverwesers fügt Orbán hinzu, auch Ungarns „traurige Rolle“ (gyászos szerepvállalás) im Zweiten Weltkrieg könne Horthys Beurteilung nicht überschatten. Historische Tatsache ist: Ein Beiseitestehen Budapests am Unternehmen Barbarossa hätte den Verlust der durch die beiden Wiener Schiedssprüche heimgekehrten Gebiete (südliche Slowakei, Nord-Siebenbürgen) bedeutet. Denn Rumänen und Slowaken schlossen sich sofort dem Ostfeldzug an.

Was Horthys Antisemitismus anlangt: Der Hauptgrund für die deutsche Besetzung Ungarns im März 1944 ist seine mangelnde Bereitschaft, deutschen Absichten (Endlösung) zu entsprechen. Ab der militärischen Okkupation hat der Reichsverweser nur mehr wenig Handlungsspielraum. Es gelingt ihm jedoch durch beherztes Dazwischentreten, die Juden der Hauptstadt vor ihrem traurigen Schicksal zu bewahren.

Paul Lendvai und viele andere verdanken Horthy ihr Leben. Miklós Horthy kann die langen Jahre seiner Emigration in Portugal nur durch die Unterstützung vermögender Industrieller, die als Juden in die USA emigriert sind, überleben. Ferenc Chorin und andere lassen dem exilierten Reichsverweser Geld zukommen, als Dank für dessen Rettung der Budapester israelitischen Religionsverwandten. Bereits im Jänner 1948 besucht der zionistische Führer Ruben Hecht Horthy in dessen bayerischen Exil in Weilheim und spricht ihm den Dank für die Rettung der Judenschaft aus.

 

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[Bild: Screenshot Orban Viktor/facebook]