Nach Schweden will nun auch Finnland abgelehnte Asylanten rigoros abschieben. Wie das finnische Innenministerium der Nachrichtenagentur AFP mitteilte, werden voraussichtlich 20.000 Personen betroffen sein. Das Besondere daran: Im Vorjahr wurden in dem Land im hohen Norden Europas etwa 32.000 Asylanträge gestellt, womit deutlich wird, dass rund zwei Drittel der Antragsteller keine politisch Verfolgten im Sinne der Genfer Konvention sind, sondern Wirtschaftsflüchtlinge, die das Asylrecht missbrauchen. Diese Größenordnung des Asylmissbrauchs deckt sich auch mit Angaben der EU: Erst vor wenigen Tagen erklärte Frans Timmermans, der Vizepräsident der EU-Kommission, dass 60 Prozent der Asylwerber schlichtweg Wirtschaftsflüchtlinge sind.

Ein besonderes Problem für Finnland ist die knapp 1.300 Kilometer lange Landgrenze zu Russland, die nur schwer zu kontrollieren ist. Nach Angaben der finnischen Behörden kamen in den letzten Monaten rund 1.000 illegale Einwanderer aus dem östlichen Nachbarstaat. Und der Zustrom der ungebetenen Gäste könnte in den nächsten Wochen und Monaten deutlich anschwellen, weil, nachdem Dänemark und Schweden ihre Grenzen dichtgemacht haben, Finnland de facto nur mehr vom Osten über Russland erreichbar ist.

Sollte der Zustrom illegaler Einwanderer von Russland her zunehmen, dann mangelt es nach den Aussagen des Leiters der finnischen Grenzschutzbehörde, Pasi Kostamovaara, an den Ressourcen, um eine vollwertige Überwachung der Staatsgrenze zu gewährleisten. Wie die Nachrichtenagentur Sputnik News meldete, erwägt daher die Regierung in Helsinki, das Militär zum Grenzschutz einzusetzen. „Notfalls kann an der Grenze auch Militär eingesetzt werden“, wird der finnische Verteidigungsminister Jussi Niinistö zitiert.

 

[Text: B. T.; Bild: Fanny Schertzer/wikimedia.org]