Vor etwa einem Jahr wurde in der Kleinstadt Juan Lacaze ein syrisches Paar mit fünfzehn Kindern freundlich aufgenommen. Nun, nach nicht einmal elf Monaten, ist man nur mehr zornig über das Anspruchsdenken der sogenannten Flüchtlinge. Die syrischen Flüchtlinge beschwerten sich laufend über die ihrer Meinung nach unzureichende Unterbringung und Versorgung.

Die selbst alles anderen als reichen Einheimischen sagen zu den Flüchtlinge: „Was sie tun, ist beleidigend.“ Sie wollen in ein anders Land das ihnen mehr bietet. Was aber mangels Papiere nicht so einfach ist, denn andere Staaten, außer in Europa, lassen illegale Einreise nicht so selbstverständlich zu. Die meisten Arbeiter des Landes die vorwiegend in der Landwirtschaft oder der Textilindustrie tätig sind verdienen weniger als 450 € im Monat. Daher mutet es eher befremdlich an, wenn sich die Syrer, denen die Unterkunft samt Garten gratis zur Verfügung gestellt wurde, über mangelnde Zuweisungen beschweren. Wie viel oder wie wenig sie bekommen wollen sie auch nicht sagen.

Der Politanalyst Daniel Chasquetti sagte jedenfalls, dass die Regierung die kulturellen Unterschiede zwischen Uruguay und Syrien unterschätzt habe und nicht berücksichtigt hat, dass viele der Syrer nur über begrenzte berufliche Fertigkeiten verfügten. Wenn man bedenkt, dass das Ausbildungsniveau auch der Einheimischen nicht unbedingt besonders hoch ist, so ist diese Aussage schon sehr bedeutsam zumal einem ja bei uns ständig erklärt wird, wie vorteilhaft sich die syrischen „Fachkräfte“ auf die Entwicklung der heimischen Wirtschaft auswirken werden.

 

 

Text: H. W.