Da überschlagen sich die Nachrichten: Die Arbeitslosenzahlen in Deutschland sind so niedrig wie lange nicht mehr. Von einem goldenen Herbst und einem 25-Jahres-Tief ist die Rede, von einem Wirtschaftswachstum und einer stabilen Konjunktur, zudem gebe es viele offene Stellen und gerade Gutqualifizierte hätten derzeit am Arbeitsmarkt die besten Chancen.

„Der Arbeitsmarkt hat sich im Oktober gut entwickelt“, verkündet der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, die neuesten Erfolgszahlen. So seien im Oktober 2,54 Millionen Erwerbslose bei der Behörde registriert, also 68.000 Arbeitslose weniger als im September und 109.000 weniger als vor einem Jahr. Damit ging die Arbeitslosenquote um 0,1 Punkte auf 5,8 Prozent zurück. Und selbst nach einer saisonal bereinigten Statistik, etwa Beginn eines Studiums oder Ende der Werksferien, nach denen erst viele Firmen neue Mitarbeiter einstellen, wäre die Zahl der Arbeitslosen im Oktober im Vergleich zum September noch um 13.000 gesunken.

Allerdings ist nicht alles so golden wie es scheint. Würde man die Flüchtlinge mitzählen, sähe das Ganze anders aus, jedoch absolvieren viele davon derzeit Integrations- und Berufsvorbereitungskurse und gelten somit offiziell nur als arbeitssuchend und tauchen daher in der Arbeitslosenstatistik nicht auf. Und viele Experten schätzen, dass sich 2017 die Zahlen wieder deutlich ändern werden. So wird die Zahl der arbeitslosen Flüchtlinge dazu beitragen, dass die Zahl der Arbeitslosen um 70.000 bis 90.000 steigen wird. Die Erfolgsmeldungen der Arbeitsagenturen sind also nichts als heiße Luft.

 

[Text: M. H.; Bild: Bettenburg at German Wikipedia]