Das Jahr 2017 könnte nicht nur die politische Landschaft Europas nachhaltig verändern. Wie Medien berichten, bereitet sich die niederländische Großbank ING auf den Austritt eines oder mehrerer Länder aus der Euro-Zone vor. Als Kandidaten für ein Ausscheiden aus der Währungsunion nennt Ralph Hamers, Vorstandsvorsitzender der ING, gegenüber der „Financial Times“ Italien und Frankreich.

Für Hamers ist ein Austritt Italiens aus dem Euro ein „pechschwarzes Szenario“, das eintreten könnte, wenn es zu vorgezogenen Parlamentswahlen kommt und die Fünf-Sterne-Bewegung des Komikers Beppe Grillo die Mehrheit bekommt. Die linkspopulistische Fünf-Sterne-Bewegung, die sich im Europaparlament kürzlich der Fraktion der Grünen angeschlossen hat, liegt derzeit in Umfragen voran und befürwortet einen Euro-Austritt Italiens. Sollte es tatsächlich zu einem Ausscheiden Italiens aus der Währungsunion kommen, ist Hamers zufolge mit großen Problemen zu rechnen, weil die laufenden Hypotheken, die in Euro gegeben wurden, in viel billigere Lire-Hypotheken umgewandelt werden müssten. Die Folge wäre eine „Diskrepanz in der Bilanz der Banken“.

Frankreich könnte laut Hamers dem Euro-Austritt näher kommen, wenn im Frühjahr Marine Le Pen die Präsidentenwahl gewinnt. Die Vorsitzende des Front National fordert einen Austritt aus den Euro und eine Volksabstimmung über die EU-Mitgliedschaft Frankreichs. Allerdings meint der ING-Chef, dass die Wahrscheinlichkeit eines Auseinanderbrechens der Euro-Zone heute geringer sei als vor zwei Jahren, als die Griechenland-Krise auf ihrem Höhepunkt war.

 

[Text: B. T.; Bild: JG16?/wikimedia.org]