Die Aufgabe des ORF-Innenpolitik-Chefs Hans Bürger war gewiss nicht leicht. Mit Frank Stronach hatte er einen bekannt unkonventionellen und auch unberechenbaren Gast. Natürlich wollte Bürger sein Programm durchziehen, allein Stronach, der schon andere Moderatoren von Lorenz-Dittelbacher bis Wolf zur Verzweiflung getrieben hatte, verfolgte seinen eigenen Weg.

Als Retter Österreichs in der wirtschaftlich schier aussichtslosen Situation sah er sich und das mit dem relativ einfachen Konzept einer „Wertegemeinschaft“. Eine Gemeinschaft, die zwei seiner einstigen „Getreuen“ verlassen hatten. Vor allem den Wechsel seiner ehemaligen Vertrauten Katrin Nachbauer konnte er ganz offensichtlich nicht so leicht wegstecken, wie er es wohl gerne vermitteln wollte.

Auch wenn Bürger redlich bemüht war, das Gespräch in sachliche Bahnen zu lenken, Stronach schaffte es immer wieder zu entschlüpfen um, wie er wohl meinte, seine Partei zu verkaufen. Bei dem vorerst von Stronach vehement abgelehnten „Wortrapp“, ein auf möglichst spontane Antworten abzielendes Frage-Antwort-Spiel, kam dann doch die eine und andere Kuriosität zutage. So auch die „artgerechte Einordnung“ der Frauen in die Spezies „Mensch“.

So unorthodox Stronach auch in diesem Gespräch wirkte, und so sehr er auf sein „Erfolgsimage“ bedacht ist, eines kann man ihm gewiss nicht absprechen: Er ist von seiner Mission zutiefst überzeugt und meint es auch ehrlich. Realpolitisch wird er wohl keine Rolle mehr spielen und auch das „Schauspiel“ eines Stronach-Interviews werden wir nicht mehr allzu oft geboten bekommen.

 

W. T.

 

 

(Bild: ORF/Milenko Badzic)