Das Experiment eines Freiwilligenheeres ist in Schweden gescheitert. Wie Verteidigungsminister Peter Hultqvist bekanntgab, wird das skandinavische Land 2018 die im Jahr 2010 abgeschaffte Wehrpflicht wieder einführen. Offenbar gibt es bei der Rekrutierung Freiwilliger massive Probleme. Denn Hultqvist sagte, man verspreche sich von der Wiedereinführung der Wehrpflicht eine „stabilere, robustere und funktionsfähigere Rekrutierung“.

Wie die schwedische Nachrichtenagentur TT berichtet, traten rund 2.500 Freiwillige pro Jahr ihren zwischen neun und elf Monate dauernden Dienst bei der Armee an. Um die Verteidigung des Landes sicherzustellen, seien aber jährlich etwa 4.000 Wehrdienstleistende notwendig. Mit der Wiedereinführung der Wehrpflicht, die alle jungen Schweden betrifft, die nach 1999 geboren wurden, soll dem Bericht von TT zufolge die Zahl der Wehrdienstleistenden bis zum Jahr 2022 auf 8.000 pro Jahr steigen.

Der Reichstag in Stockholm muss dem Plan der Regierung noch zustimmen, aber die Zustimmung gilt als sicher. Wie Johan Österberg von der Schule für Höhere Verteidigungsstudien gegenüber TT erklärt, handle es sich bei der Wiedereinführung der Wehrpflicht um einen „intelligenten Vorschlag“. Denn in den vergangenen Jahren habe sich gezeigt, dass die Freiwilligkeit nicht geeignet sei, um sowohl die Qualität als auch die Quantität der benötigten Soldaten sicherzustellen.

Schweden ist kein NATO-Mitglied, arbeitet aber eng mit dem Nordatlantikpakt zusammen. Allerdings arbeitet die Regierung in Stockholm auf einen NATO-Beitritt hin. In einem Mitte September von der Regierung veröffentlichten Bericht heißt es, „die NATO bietet mehr Vorteile.“ Um die mehrheitlich skeptischen Schweden für die NATO zu begeistern, wird das Feindbild Russland bedient. Und eine Aufnahme Schwedens in den Militärpakt wäre auch im Interesse der USA: Denn in diesem Fall könnte die NATO den Luftwaffenstützpunkt auf der strategisch günstig gelegenen Ostseeinsel Gotland nutzen – und Russland noch mehr provozieren als es jetzt schon der Fall ist.

 

[Text: B. T.; Bild: Jorchr/wikimedia.org]