Zum Gedenken an die Massaker von Bleiburg kamen am 14. Mai zehntausende Besucher und die halbe kroatische Regierung nach Kärnten. Hintergrund sind Massentötungen infolge der kommunistischen Revolution nach dem Zweiten Weltkrieg in Jugoslawien.

Neben Vize-Premier Tomislav Karamarko und dem Parlamentspräsidenten Dr. Željko Reiner nahmen sieben Minister sowie rund 20 Parlamentsabgeordnete, die kroatische Vertreterin im bosnisch-herzegowinischen Parlament, sowie eine Gesandte der Präsidentin Kroatiens, die Präsidentengarde und Traditionsverbände teil. Insgesamt 25.000 folgten dem Aufruf der langjährigen Veranstalterin, der Kirche und Regierung Kroatiens, unter deren Ehrenschutz das Erinnern stattfand. Premier Oreškovic nahm an einer Kranzniederlegung teil. Ein Gebet für die muslimischen Opfer sprach Idriz ef. Bešic, Imam, für die serbischen Opfer ein griechisch-katholischer Pfarrer. Hunderte Teilnehmer kamen aus Slowenien, um ihrer Landsleute zu gedenken. Für die hielt Pfarrer Janez Turinek eine Messe. Außerdem erschien Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka und Präsident der Bischofskonferenz von Bosnien und Herzegowina.

Der Kärntner Historiker Rulitz war Teil des Erinnerns Bleiburg 1945–2016 und folgte der Einladung der kroatischen Regierung sowie der Kirche Kroatiens und des akademischen katholischen Instituts in Zagreb, auf welchem er drei Tage zuvor im Rahmen eines Symposions sein neues Buch präsentierte: „The Tragedy of Bleiburg and Viktring“ (US-Universitätsverlag “Northern Illinois” 2016).

„Unter den ‚Massakern von Bleiburg‘ versteht man eine Reihe von ‚Massensäuberungen‘ der Tito-kommunistischen Partisanen nach Ende des 2. Weltkrieges an politischen Gegnern, welche im Raum Bleiburg (Südkärnten) ihren Ausgang nahmen und sich über Ex-Jugoslawien erstreckten. Die Massaker sind das größte Verbrechen in der Geschichte Kroatiens. Laut britischen Quellen sollen sich an die 200.000 Soldaten und 500.000 Zivilisten auf der Flucht nach Kärnten befunden haben. Selbst Partisanenquellen geben an, dass im Raum Bleiburg 150.000 „einheimische Verräter“ entwaffnet oder vernichtet wurden.“ Die Gesamtzahl der Flüchtlinge war noch viel größer, betont Rulitz: „Man muss in Kärnten von etwa 250.000 Flüchtlingen ausgehen, die es geschafft haben, die jugoslawisch-österreichische Grenze zu überqueren. Davon wurden in etwa 200.000 „repatriiert“, bzw. von den Briten abgewiesen. 75.000 Flüchtlinge sind über den Loiblpass gekommen – davon waren etwa 20.000 Slowenen. Die Säuberungswelle betraf viele Geistliche und 1.000 slawische Antikommunisten, welche noch auf österreichischem Territorium den Tod fanden.

Man muss im Zusammenhang auch an die ermordeten Volksdeutschen und an die 130 österreichischen Kärntner, die den Tod fanden, erinnern. Im Bericht der Sicherheitsdirektion Kärnten von 1952 heißt es im Zusammenhang mit den getöteten Österreichern (Verschleppten), dass diese Opfer als Folge eines Übergreifens der kommunistischen Revolution in Jugoslawien auf österreichisches Gebiet entstanden sind, welches durch die militärische Situation begünstigt war.“

Der kroatische Kulturminister Hasanbegovic bedankte sich bei Rulitz für die Veröffentlichung, und dafür, dass er bis dato verdeckte Quellen zu Tage befördert hat. Der Minister betonte, dass das Erinnern in Bleiburg die größte katholische und völkerverbindende Veranstaltung Österreichs sei.

 

[Text: M. G.; Bild: ZZ-Archiv]