Donald Trump hat aufgehört, zu Nordkorea zu twittern. Im Januar hatte er noch gedroht, er würde zu verhindern wissen, dass das Land eine Interkontinentalrakete zündet, die Alaska und das US-Festland erreichen kann. Dabei ist bei seinem noch unberechenbareren Gegner Kim Jong-un eines sicher: Die nächsten Raketen- und Atomtests kommen sicher. Fünf Atombomben hat er im Vorjahr unterirdisch gezündet. Eine soll eine Wasserstoffbombe gewesen sein. Dazu hat er drei Mittelstreckenraketen, die mit einer Reichweite von 500 Kilometern den US-Stützpunkt Guam treffen könnten, abgefeuert.

In diesem Februar war es dann eine von einem U-Boot, das noch schwieriger zu entdecken ist. Kritisch wird es, wenn es den Nordkoreanern gelingt, den Atomsprengkopf so zu verkleinern, dass er in einen Raketenkopf passt. Eine Frage der Zeit. 280 Kilogramm angereichertes Uran und 52 Kilogramm Plutonium haben sie laut dem südkoreanischen Geheimdienst im Laufe der Zeit angesammelt. Das reicht für 22 bis 45 Atomsprengköpfe. Die Waffe des armen Mannes, der sich wie dieses ruinierte 23 Millionen-Volk eine gut gerüstete konventionelle Armee nicht mehr leisten kann. Kims Atomwahn ist nicht länger wie bei seinem Vater Mittel zum Erpressungszweck. Er soll seine absolute Herrschaft legitimieren, die für ihn und seine Propaganda in der Mitgliedschaft im Großmachtklub der Atommächte besteht. Wo Obama im geduldigen Zuwarten und immer stärkeren Sanktionen scheiterte, will Trump gewinnen. Nordkorea ist die erste heiße Krise seines Mandats.

Im Vorjahr hat Südkorea ein US-Radarwarnsystem namens Thaad installiert. Mit einer Reichweite von 2000 Kilometern erfasst es auch die chinesischen Raketen und die russischen Raketen in Fernost, die damit leichter abgeschossen werden können. Dann schickte Trump seinen Verteidigungsminister James („Mad Dog“) Mattis als erstes nach Seoul, zur Rückversicherung seines Bundesgenossen. Vom angedrohten Rückzug der 30.000 GIs aus Korea ist keine Rede mehr. Außenminister Rex Tillerson bekam die Anweisung, „alle Optionen“ für Nordkorea zu planen. Auf Okinawa, dem größten US-Stützpunkt im Westpazifik, sind höhere US-Offiziere erstaunlich – und sicher absichtlich – offen für die US-Kriegspläne, sollte Kim die rote Linie tatsächlich überschreiten.

 

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[Bild: Steve Herman / VOA]