Haben Sie schon einmal von DDr. Max Lercher gehört? Der Kulturanthropologe und Philosoph (Dissertationsthema: Hermeneutisch-ontologische Aspekte im Schrifttum der Linkshegelianer von Descartes bis Renner) gilt unter Freunden als Stephen Hawking des 21. Jahrhunderts. Bescheiden wie er ist, stellt er sein Können der SPÖ zur Verfügung. Als deren Zentralsekretär.

Spaß beiseite. Fakt ist: Der rote Bundesgeschäftsführer Max Lercher werkt in der Wiener Löwelstraße nicht bloß wie eine Ameise, sondern besitzt darüber hinaus das Talent, seine Mitmenschen zu erheitern. Konkret gesagt: Der Mann erweckt beim Publikum stets den Eindruck, als würde er sich selber persiflieren. Sein Äußeres, in erster Linie das akkurat zurückgekämmte schüttere Haar sowie eine Art Lenin-Bart, verleiht Lercher, ohne ihm jetzt in irgendeiner Weise nahetreten zu wollen, eine clowneske Note.

Da die SPÖ derzeit nichts zu lachen hat, prädestiniert ihn das zum neuen Parteichef. Nach dem Pizzaboten kann es mit den Roten eh nur mehr bergaufgehen. Freilich: Auf dem Spielfeld der heimischen Innenpolitik darf man sich Lercher nicht unbedingt als Big Player vorstellen. Eher als Ball-Schani.

Andererseits sollte man den erdig wirkenden Steirer nicht unterschätzen. Der auf den ersten Blick wie ein vifer Absolvent des B-Zugs einer gut geführten Hauptschule auftretende Lercher verfügt – für viele, die ihn schon gesehen sowie gar sprechen gehört haben, durchaus überraschend – tatsächlich über einen akademischen Titel. Er ist Bakkalaureus der Politikwissenschaft. Natürlich kann man damit nicht viel anfangen (deswegen meidet der Mann die Privatwirtschaft), aber für den Chefposten der roten Partei sollte es reichen.

Fazit: Wenn schon keiner das Kreuz auf sich nehmen und SPÖ-Vorsitzender werden will, dann sollte man dem Lercher eine Chance geben.

[Text: E.K.L.; Bild: Wikipedia/SPÖ Presse und Kommunikation; Lizenz: CC BY-SA 2.0]