Es ist ein unglaubliches Sittenbild, das die einstmals christkonservative ÖVP bietet. Drei ihrer ehemaligen Obleute, Erhard Busek, Josef Riegler und Wilhelm Molterer, melden sich aus der politischen Versenkung zurück und rufen in einem „Offenen Brief“ zur Unterstützung des Grünen Bundespräsidentschaftskandidaten Alexander Van der Bellen in der Stichwahl am Sonntag auf. In dem Schreiben heißt es unter anderem, Van der Bellen sei der „rot-weiß-rote Kandidat“.

Dass die Grüne Parteijugend vor ein paar Jahren, als Van der Bellen Parteichef war, meinte, dass all jene, die die Heimat im Herzen tragen „Scheiße im Hirn“ hätten und dass der „Herr Professor“ die in einer Diskussionsrunde im Fernsehen salopp mit den Worten „Na ja, das sind die Jungen“, kommentierte, stört Busek, Riegler und Molterer anscheinend nicht. Die Anbiederung sogenannter „bürgerlicher“ Kreise an den linkslinken Zeitgeist ist also sehr weit gediehen.

Ansichtssache ist freilich, ob die Wahlwerbung der drei ehemaligen ÖVP-Obleute nicht als schlechtes Omen für Van der Bellen zu deuten ist. Denn Busek, Riegler und Molterer sind in dieser Funktion alle drei grandios gescheitert. Unter Rieglers Vorsitz setzte es bei der Nationalratswahl 1990 ein sattes Minus von 9,2 Prozent. Vier Jahre später, 1994, verloren die Schwarzen unter Busek 4,4 Prozent und sanken unter die 30-Prozent-Marke. Und der aus der linkskatholischen Universitätenszene stammende Molterer fuhr bei der Nationalratswahl 2008 ein Minus von 8,3 Prozent ein. Großer Sieger bei den drei genannten Wahlgängen war übrigens die FPÖ.

 

[Text: B. T.; Bild: Wolfgang H. Wögerer, Wien/wikimedia.org]