In München, am historischen Ort des „Braunen Hauses“, der einstigen Parteizentrale der NSDAP, kann die interessierte Öffentlichkeit seit Mai 2015 ein so genanntes „NS-Dokumentationszentrum“ besichtigen. Es beansprucht, wie die werbende Selbstdarstellung im Netz vermittelt, sich auf vier Geschossen und 1.300 qm Ausstellungsfläche kritisch mit der Geschichte Münchens vor, während und nach der Zeit des Nationalsozialismus auseinander­zusetzen. Doch wird es dieser Zielsetzung auch gerecht?

Zwei in diesen Fragen kompetente Wissenschafter, die Professoren Konrad Löw und Felix Dirsch, kommen in einem lesenswerten Taschenbuch mit einem Geleitbrief von Alfred Grosser aus Paris (Olzog-Edition und Lauverlag Hamburg 2016, 192 Seiten, 16,90 Euro) „München war anders!“ zu einem negativen Ergebnis. Dabei deutet der programmatische Untertitel, „Das NS-Dokumentationszentrum und die dort ausgeblendeten Dokumente“, schon in die Richtung ihrer Antwort: Nein, das als „Lern- und Erinnerungsort zur Geschichte des Nationalsozialismus in München“ konzipierte Projekt überzeugt aus triftigen Gründen nicht. Erneut dominiert vielmehr, wie bei vielen ähnlichen Projekten in der Bundesrepublik Deutschland, eine bestimmte Form von manipulativer Vergangenheitsbewältigung, die sich vor allem durch selektive Quellenauswahl selbst disqualifiziert. Auf entsprechende Einwände, so die Autoren, lautet dann die offiziöse Antwort: „München sollte als Täterstadt im Vordergrund stehen!“

 

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[Bild: Rufus46/wikimedia.org]