Für die westliche, selbsternannte Wertegemeinschaft steht ohne jeden Zweifel fest, wer für den mutmaßlichen Giftgaseinsatz in der Provinz Idlib, bei dem mehr als 90 Menschen getötet wurden, verantwortlich ist: Syriens Präsident Baschar al-Assad. Der britische Außenminister Boris Johnson spricht von „Kriegsverbrechen“ und Washington fällt in den aggressiven Tonfall der Obama-Ära zurück. Die UNO-Botschafterin der USA, Nikki Haley, erklärte, wenn die Vereinten Nationen keine Sanktionen gegen Damaskus beschließen, „sind wir gezwungen, unsere eigenen Maßnahmen zu ergreifen“. Überhaupt seien „alle Optionen auf dem Tisch“, ergänzte Vizepräsident Mike Pence.

Als Stimme der Vernunft erweist sich einmal mehr Russland. Insbesondere fordert Moskau vor Maßnahmen gegen Assad eine Untersuchung dieses Verbrechens. „Bevor die Schuldigen genannt werden, sollte man zunächst reale Fakten feststellen“, heißt es in einer Stellungnahme der russischen Vertretung bei der UNO.

Tatsächlich ist die Verantwortung Assads für dieses Verbrechen mehr als fraglich. Der investigative US-Journalist Robert Parry, der in den 80er Jahren den Iran-Contra-Skandal ans Tageslicht gebracht hatte, erklärt: „Ein mögliches Szenario ist, dass syrische Kampfflugzeuge ein Waffenlager der Rebellen, wo das Giftgas gelagert worden war, bombardierten, worauf hin die Behälter explodierten. Eine andere Möglichkeit ist eine Inszenierung durch die immer verzweifelteren Al-Kaida-Dschihadisten, die für ihre Geringschätzung von unschuldigen Menschenleben bekannt sind.“

Umgekehrt stellt sich die Frage, warum die Regierungstruppen, die militärisch auf dem Vormarsch sind, Giftgas gegen Zivilisten hätten einsetzen und damit dem Westen die Rechtfertigung für eine härtere Gangart gegenüber Assad geben sollen. Und von einer Stärkung Assads profitieren wiederum dessen Unterstützer und Verbündete Russland und Iran. Das libanesische „Middle East Panorama“ hat Informationen erhalten, wonach die Geheimdienste mehrerer Länder, darunter Saudi-Arabien, Katar, Bahrain, die Türkei, Israel, Frankreich, Großbritannien und die Vereinigten Staaten eine „kriminelle Verschwörung“ vorbereiten, indem sie weiterhin „verschiedene Terrorgruppen in Syrien logistisch unterstützen“. Beim letzten Treffen von Vertretern der Geheimdienste der genannten Länder sei es um den Plan gegangen, „die syrische Regierung des Einsatzes chemischer Waffen zu bezichtigen“. Ort des Treffens sei in israelisches Militärlager auf den besetzten Golanhöhen gewesen.

Somit deutet vieles darauf hin, dass mit einem Einsatz unter falscher Flagge der Vorwand für ein militärisches Eingreifen des Westens, allen voran der USA, geschaffen werden soll.

 

[Text: B. T.; Bild: محمد السعيد/wikimedia.org]