Bereits 1960 hatte die Bundesrepublik Deutschland Griechenland für Kriegsschäden Wiedergutmachung von nahezu 120 Millionen D-Mark bezahlt. Ein Betrag, der 55 Jahre später und mit Zinsen hochgerechnet die bedeutende Summe von rund 3 Milliarden Euro ausmachen würde. Damals wurde vertraglich ein weiterer Anspruch Griechenlands ausgeschlossen. Das später folgende Londoner Abkommen und auch der 2+4-Vertrag schlossen weitere Zahlungen ebenfalls aus.

Die linksradikale Regierung Tsipras glaubt nun, mit neuen, ungeheuerlichen Reparationsforderungen ihre Staatsschulden mit einem Schlag tilgen zu können. Mit den 320 Milliarden Euro, die man nun von Deutschland will, wäre dies tatsächlich der Fall, und man denkt nunmehr sogar daran, deutsches Eigentum in Griechenland, etwa die deutsche Schule in Athen oder die Liegenschaften des Goethe-Instituts zu enteignen.

Als ersten Schritt hofft man nun, eine Anleihe, mit der die griechische Notenbank 1942 dem Deutschen Reich 450 Millionen Reichsmark gewährte, und die nach dem Krieg unter die pauschale Reparation fiel, von Berlin zurückfordern zu können. Athen beziffert die Forderung mit etwa zehn Milliarden Euro, eine Summe, die der griechischen Regierung tatsächlich eine finanzpolitische Verschnaufpause gönnen würde. Deutschland hingegen ist keineswegs gewillt, diesem Erpressungsversuch nachzugeben. Die griechischen Forderungen dürften vielmehr dafür sorgen, dass die deutsche Bereitschaft, weitere Milliarden nach Athen zu senden, dramatisch sinkt.

 

A. M.

 

 

(Bild: Mario Salerno/Council of the EU)