Im britischen Kolonialreich wurde die Sklaverei 1833 abgeschafft. Erledigt war damit die unrühmliche Geschichte der Sklaverei aber noch lange nicht. Denn wie die „Bristol Post“ berichtete, wurde erst im Jahr 2015 die letzte Rate von Entschädigungen an die Nachfahren der früheren Sklavenbesitzer bezahlt. Denn die Sklavenbesitzer – es handelte sich um Plantagenbesitzer in der Karibik – wurden damals mit 20 Millionen Pfund Sterling entschädigt. Dieser Betrag war damals so hoch, dass es 182 Jahre brauchte, bis die letzte Rate beglichen war. Laut „Bristol Post“ machten 1833 die 20 Millionen Pfund 40 Prozent des Jahresbudgets der Regierung aus und würden heute dem Betrag von 308 Milliarden Pfund (346 Milliarden Euro) entsprechen.

Von der Entschädigung der ehemaligen Sklavenbesitzer war Bristol besonders betroffen, da in dieser Stadt viele Plantagenbesitzer lebten. Und für sie war die Abschaffung der Sklaverei ein gutes Geschäft, weil die Kompensationszahlungen, wie der „Daily Mirror“ anmerkt, „in Städten wie Bristol eine Menge reicher Leute noch viel reicher machte“.

Veröffentlicht wurde Tatsache, dass die Entschädigungen bis 2015 gezahlt wurden, durch das britische Finanzministerium. Allerdings sorgte die Art und Weise, wie das Finanzministerium diese Information auf Twitter bekanntgab, für Verärgerung und Empörung, weil suggeriert wurde, das Steuergeld wäre einem guten Zweck zugeführt worden: „Wussten Sie es? 1833 nahm Britannien 20 Millionen Pfund, 40 Prozent seines nationalen Budgets, um für alle Sklaven im Empire die Freiheit zu kaufen. Der Betrag, der für den Slavery Abolition Act geliehen wurde, war so riesig, dass er erst 2015 zurückgezahlt wurde. Das bedeutet, dass heute lebende britische Bürger halfen, den Sklavenhandel zu beenden.“ Kritiker werfen ein, dass endlich an Zeit sei, dass Großbritannien seine Rolle im Sklavenhandel aufarbeitet. Und die Bristoler Stadträtin forderte – wie wahrscheinlich auch zahlreiche andere britische Steuerzahler – „ich will mein Geld zurück“.

[Text: B. T.; Bild: flickr; Lizenz: gemeinfrei]