Der Zerfallsprozess der Grünen schreitet weiter voran. Johannes Voggenhuber hat sich dazu entschlossen, bei der Europawahl am 26. Mai als Spitzenkandidat für die Liste Jetzt (ehemals Liste Pilz) anzutreten. Denn Voggenhuber saß bereits von 1995 bis 2009 im Europaparlament, und zwar für die Grünen. Vor zehn Jahren gaben allerdings seine Parteifreunde Ulrike Lunacek den Vorzug, also jener Dame, die bei Nationalratswahl 2017 die Grünen auf Bundesebene ins politische Nirwana geführt hat.

Auch wenn Voggenhuber sagte, es sei nicht seine Absicht, gegen die Grünen zu kandidieren, sondern „gegen den rechts-rechten Block in diesem Land“, dürfte die Liebe des 68-Jährigen zu den Grünen erkaltet sein. So sagte er in einem Interview: „Die Grünen, wie wir sie gegründet haben, existieren schlicht nicht mehr.“ Voggenhuber könnte für die Grünen sehr unangenehm werden. Er verfügt über einen hohen Bekanntheitsgrad und für einen Einzug ins EU-Parlament sind etwas mehr als fünf Prozent der Stimmen notwendig. Voggenhuber könnte das schaffen, und es würde auf Kosten der Grünen gehen, die bei der letzten EU-Wahl 2014 mit 14,5 Prozent der Stimmen zwei Mandate schafften.

Dass Voggenhuber für Grün-Sympathisanten nach wie vor wählbar ist, zeigen seine inhaltlichen Standpunkte. Wie seine früheren Parteifreunde wettert er gegen den bösen „Nationalismus“, der mit allen Mitteln bekämpft werden müsse, und huldigt der gutmenschlichen Zivilreligion der Menschenrechte: „Wir stehen auf der Seite derer, die die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte lieben.“

[Text: B.T.; Bild: www.wikipedia.org/Mjpress; Lizenz: CC BY-SA 4.0]