Michael Tojner ist jener begüterte Bauherr, der das Hotel Intercontinental schleifen lassen und durch ein neues Gebäude inklusive 66-Meter-Turm ersetzen will. Damit ist der Canaletto-Blick, also der Blick auf das historische Erbe der Innenstadt, zerstört. Daran stoßen sich nicht nur zahlreiche Bürgerinitiativen und die grüne Parteibasis, daran stößt sich auch die UNESCO, die der Inneren Stadt aufgrund dieses vermessenen Bauvorhabens den Status des „Welt-Kulturerbes“ aberkennen will.
Tojners Firma „Wert-Invest“ hatte selbst eine Umweltverträglichkeitsprüfung beantragt. Im Vorjahr schon hatte das Amt der Wiener Landesregierung entschieden: Kein städtebauliches Vorhaben, keine Umweltverträglichkeitsprüfung erforderlich.

Dagegen allerdings erhoben Turm-Gegner Beschwerde und die Sache landete beim Bundesverwaltungsgericht. Das sieht die Causa anders und will eine Einzelfallprüfung. Die will wiederum Tojner nicht. Und so ließ er über seine Anwälte jenes Verfahren aussetzen, das er selbst im Vorjahr angestoßen hatte. Die Prüfung sei „Aktionismus“ und gehe zu Lasten des Heumarkt-Projekts, sagt ein Sprecher. Man könnte fast Mitleid mit dem armen Milliardär haben!

Tojner wollte also einen Alibi-Beschied für sein Bauprojekt – weiter nichts. Und weil die Justiz die Sache kippen könnte, dreht man das Verfahren einfach ab. Das erinnert an die Grünen und ihre in Ungnade gefallene Chefin Maria Vassilakou. Auch sie hatte damals die grüne Parteibasis zum Projekt gefragt. Und als es anders ausgegangen war als geplant, stieß man die Wähler schlicht vor den Kopf und argumentierte, es sei ja keine verbindliche Abstimmung gewesen. Wozu dann überhaupt das ganze Theater?

Laut Österreich-Bericht soll der Richter des Verfahrens allerdings bereits den Architekten Manfred Wehdorn mit einem Gutachten beauftragt haben, das eine vernichtende Ansage an Tojners Plan enthält: Der Turm sei eine „wesentliche Störung der historischen Skyline“ und widerspräche den „Ernennungskriterien des Welterbeareals Wien – Innere Stadt“.

Sollte das Gericht sein Verfahren doch aussetzen, hat immer noch Gernot Blümel als Ressortverantwortlicher des Kulturministeriums die Möglichkeit, dem himmelhohen Betonklotz durch eine Weisung den Garaus zu machen.

Eine breite Bevölkerungsmehrheit ist gegen diesen Turm. Die Politik wäre gut beraten, auf ihre Wähler zu hören und alle Hebel in Bewegung zu setzten, dieses Schandmal zu verhindern.

[Text: A.L.; Bild: www.wikipedia.org/Kunsthistorisches Museum Wien, Bilddatenbank.; Lizenz: -]