Samuel Beckett, Eugène Ionesco, Jean Genet und all die anderen Protagonisten des absurden Theaters hätten ihre Freude gehabt mit den Zuständen auf Amerikas Hochschulen. Weil das viel Stoff für neue Stücke gegeben hätte.

Wie man weiß, gibt es in den USA exzellente Universitäten, wo engagierte Professoren ihren begabten Studenten eine Menge beibringen. Daneben freilich – und nur von denen soll hier die Rede sein – existieren Hochschulen, die niveaumäßig eher nicht hervorstechen, sich aber eines starken Engagements in Sachen Gender und politische Korrektheit rühmen.

Die diversen Hanswurstiaden auf dem Campus wären an sich zum Lachen, doch das Schmerzhafte dabei ist: Die Auswüchse der Political Correctness haben nicht nur für die Freiheit der Lehre, sondern auch für die Psyche der Studenten gravierende Folgen. Weil sich eine Atmosphäre bildet, in der Denunziantentum, Paranoia und Zensur blühen. Das Stichwort lautet Mikro-Aggression.

In diesem Zusammenhang formuliert Andrea Köhler (NZZ vom 22. Juni 2016): „Die Angst geht um auf dem amerikanischen Campus, die Angst der Lehrenden vor ihren Studenten. Schon das männlich konnotierte Wort Student birgt, im Deutschen zumindest, was man in den USA eine microaggression nennt – einen Mini-Gewaltakt mithin, der die Frauen eliminiert. Mini-Aggressionen sind sprachliche Wendungen, die als verletzend aufgefasst werden könnten. Der Satz I believe the most qualified person should get the job steht bei kalifornischen Hochschulen auf dem Index.“ Auf dem Index verborum prohibitorum nämlich.

Weswegen? Na, weil hinter solch einer Meinung eine geradezu urwüchsige Naivität steckt. Denn wo kämen wir da hin, wenn die am besten qualifizierte Person die begehrte Stelle bekäme? Sogar hierzulande ist dies ein Ding der Unmöglichkeit. Jeder weiß: Zuerst ist da irgendein Protektionskind, das versorgt werden muss. Daraufhin wird eine maßgeschneiderte Stellenausschreibung geschnitzt. Und, siehe da: Der Protegierte – dessen Begabung sich ruhig in engen Grenzen halten darf – ist exakt der Richtige für den formal korrekt und überaus objektiv ausgeschriebenen Posten.

Ein weiterer Tabubruch in den Augen der Korrekten ist die Aneignung von Merkmalen, die einem nicht zustehen (cultural appropriation).

Simples Beispiel: Ein Kärntner darf keinen Steirerhut tragen. Deswegen kriegt ein US-Student arge Schwierigkeiten, weil er bei einer Tequila-Party einen Sombrero aufhat. Obwohl er gar kein Latino ist! Wirklich ein Skandal.

 

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[Bild: ** Parapluie ** /flickr]