Christian Kern hat’s nicht leicht. Zunächst setzt er sich vor die Tür der ÖBB und stürzt sich todesmutig in die Niederungen der österreichischen Innenpolitik, dann geben ihm Wähler und Partei den Laufpass und jetzt kauft auch noch der selbsternannte Philanthrop Hans Peter Haselsteiner seine Firma auf. Zwar nicht ganz, sondern nur zu 61,1 Prozent – dennoch: Mitleid ist angesagt! Schließlich gehört von den verbliebenen 38,89 Prozent laut Medienberichten auch noch die Hälfte seiner Angetrauten. Was genau die Firma treibt, ist zumindest aus dem Namen nicht ersichtlich: „Digital Hero“ heißt sie. Digital-Helden. Vielleicht entwickelt sie eine App für rasche Pizza-Lieferungen. Kern auf Knopfdruck.

Wir werfen zum Vergleich einen kurzen Blick einen ehemaligen Kollegen im Kanzleramt: Auf Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer, der zwar auch nicht allzu lange an der Regierungsspitze stand, sich allerdings dort ein weitreichendes Netzwerk knüpfen konnte, das ihn anschließend bereitwillig auffing. Seine Firma dürfte allerdings etwas ertragreicher sein als jene seines in Ungnade gefallenen Nachfolgers. Noch dazu gehört sie ihm allein.

Auch durfte Gusenbauer in Haselsteiners Strabag-Aufsichtsrat, während Haselsteiner Kerns Firma aufkaufte. Aber ist es wirklich erstrebenswert, dort zu sitzen? Schließlich hat „der Haselsteiner sein Geld nur g’macht mit Staatsaufträgen“ – merkte der Milliardär Frank Stronach in der PULS4 Wahlarena seinerzeit an.

Doch sollte man den tiefenpsychologischen Wert dieses Aktes nicht außer Acht lassen. Wenn schon weder der Wähler noch die Partei den armen Herrn Kern will, so doch wenigstens Hans Peter Haselsteiner. Die Sache hat also auch eine tröstliche Seite. Er ist nicht mehr so allein.

[Text: B.T.; Bild: wikipedia.org/SPÖ / Alexander Schwarzl; Lizenz: CC BY 2.0]