Von Zeit zu Zeit, wenn sich ein historisch bedeutsames Datum oder auch nur das eigene Wiegenfest jährt, treten gerne die Altvorderen auf den Plan und lassen ihren Nachfolgern wissen, was sie alles falsch machen. So auch Heinz Fischer, der sich nach seinem fristbedingten Abgang aus der Präsidentschaftskanzlei in ein Nebenzimmer der Hofburg verschanzt hat, um seinem Nachfolger von Zeit zu Zeit die eine oder andere Audienz zu gewähren. Zwischendurch gibt’s an themenarmen Interviews für leeres Zeitungspapier und Giftpfeile gegen einen Teil der Bundesregierung.

Und da letzte Woche weder eine Bilderbeger-Konferenz tagte noch ein zweifelhafter Preis oder Orden verliehen werden musste, es also keinen Anlass für Medienöffentlichkeit gab, war’s wieder einmal soweit, und der „rote Heinzi“ hatte Zeit: Die APA bekam ein Interview, in dem – wie immer – viel geredet, aber wenig gesagt wurde. Nur hin und wieder kam ein glänzendes Bonmont, ein rhetorisch feinstgeschliffener Säbelschlag, wie ihn sonst nur Großpoeten a la Goethe und Schiller über die Lippen bringen: „Die Demokratie ist immer nur so gut, wie die Menschen die demokratischen Spielregeln befolgen.“ Zwar hapert’s im zweiten Satzteil leicht an der Grammatik, aber wer will das unserem sozialdemokratischen Großwesir schon verübeln.

Bei so dichter Geistesfülle und Erkenntnisregsamkeit ist es nur allzu verständlich, dass Fischer kurzzeitig vom Olymp der Philosophie in die Niederungen der Tagespolitik abstürzt. So ortet er „inakzeptable Verhaltensweisen“ im Innenministerium und sieht „sehr besorgt, was da abgelaufen ist“. Festlegen will er sich allerdings nicht: Zwar hält der Rücktrittsaufforderungen gegen Kickl für „legitim“, er selbst will allerdings keine aussprechen. Wie damals, als er zwar kundtat, Van der Bellen zu wählen, aber „keine Wahlempfehlung“ abgab.

Mehr Sorgen bereitet unserem roten Staatsphilosophen die Flüchtlingspolitik: Es sei besorgniserregend, „Flüchtlinge aus dem Land hinaus zu vergraulen“. Flüchtlinge, lieber Herr Fischer, kann man zwar außer Landes transportieren, nicht aber „vergraulen“. Die scheren sich nämlich einen feuchten Kehricht um die Meinung der Österreicher, solange die Münzen springen.

Das also waren die bahnbrechenden Erkenntnisse der Woche. Nun kann er sich wieder seinen Festessen, Preisverleihungen und Jubiläen hingeben. Schade, wo doch seine Analysen einen unfassbaren Mehrwert für die österreichische Bevölkerung darstellen!

[Text: A.L.; Bild: Wikipedia/Arne Müseler; Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE]