Hillary Clinton hat noch immer nicht verwunden, dass nicht sie, sondern der Republikaner Donald Trump als 45. Präsident der Vereinigten Staaten ins Weiße Haus eingezogen ist. Für ihre Niederlage am 8. November hat Clinton, die lange als Favoritin galt, eine Erklärung parat: Der „böse“ russische Präsident Wladimir Putin sowie FBI-Chef Jim Comey, der in der Schlussphase des Wahlkampfes den Auftrag zu Ermittlungen in der E-Mail-Affäre der früheren US-Außenministerin gab, sind schuld.

So sagte Clinton am Dienstag bei einer Veranstaltung in New York: „Ich war auf der Siegerstraße bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Kombination von Jim Comeys Brief vom 28. Oktober und das russische Wikileaks Zweifel in den Köpfen der Leute erzeugten, die dazu neigten, mich zu wählen, aber dann Angst bekamen.“ Zudem warf sie Putin Einmischung in den Wahlkampf vor: „Er hat mit Sicherheit in unsere Wahl eingegriffen, und es war klar, dass er mich beschädigt und meinem Widersacher geholfen hat.“ Und überhaupt meinte Clinton: „Wenn die Wahl am 27. Oktober stattgefunden hätte, dann wäre ich Ihre Präsidentin.“

Die beiden US-Journalisten Jonathan Allen und Amie Parnes kommen in ihrem kürzlich veröffentlichten Buch „Shattered: Inside Hillary Clinton's Doomed Campaign“ zu einem völlig anderen Ergebnis. Clinton verlor die Wahl aus Unfähigkeit. Demnach soll das Wahlkampfmanagement chaotisch gewesen sein und sich Clintons Team in internen Machtkämpfen aufgerieben haben. Und die demokratische Kandidatin selbst schien niemandem zu trauen.

Wenn Clinton nun die Schuld für ihre Wahlniederlage auf Putin und Comey schiebt, dann zeigt sie damit nicht nur, dass sie eine schlechte Verliererin ist. Vielmehr verfolgt sie damit auch das Ziel, die Rechtmäßigkeit der Präsidentschaft von Donald Trump zu untergraben. Schließlich arbeiten die Gegner des nunmehrigen US-Präsidenten seit dessen Wahlsieg unermüdlich daran, ihn mit dem Vorwurf der (bis heute nicht bewiesenen) Einmischung Russlands einen Strick zu drehen.

 

[Text: B. T.; Bild: U.S. Department of State]