Der voraussichtlichen demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton droht weiter Ungemach wegen ihrer E-Mail-Affäre. Sie hatte während ihrer Amtszeit als US-Außenministerin ihre dienstliche elektronische Post teilweise nicht über den Server des Ministeriums, sondern über einen privaten abgewickelt. Diese Vorgangsweise ist, wie bereits offiziell festgestellt wurde, rechtswidrig und gefährde die nationale Sicherheit.

Julian Assange, der Gründer von WikiLeaks, sagte nun in einem Interview, die Enthüllungsplattform sei im Besitz von rund 32.000 E-Mails, die von Clintons privatem Server abgefangen worden waren. Assange, der wegen eines schwedischen Auslieferungsbegehrens in der ecuadorianischen Botschaft in London festsitzt, erklärte auch, WikiLeaks sei im Besitz von E-Mails, die für eine Anklage Clintons ausreichen würden. Allerdings, so schränkte er ein, sei damit nicht zu rechnen, weil die derzeitige US-Generalstaatsanwältin Loretta Lynch von Barack Obama nominiert wurde. Und der amtierende Präsident unterstützt bekanntlich nun Hillary Clinton im Wahlkampf.

Das Verhältnis zwischen Clinton und WikiLeaks könnte spannungsgeladener nicht sein. Als Außenministerin trieb die demokratische Politikerin die Strafverfolgung von Assange voran, und umgekehrt bezeichnete die Enthüllungsplattform Clinton als „Kriegshetzerin“. Wie Assange durchblicken lässt, ergäben die Clintons E-Mail den Beweis, dass die Außenministerin den Widerstand des Verteidigungsministeriums brach, 2011 einen Krieg zum Sturz des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi zu führen. Auch hätte sie Warnungen der Militärs ignoriert, dass Libyen in Chaos und Anarchie versinken und sich der IS oder andere islamistische Gruppen in dem zerstörten nordafrikanischen Staat ausbreiten könnten.

 

[Text: B. T.; Bild: C-SPAN/wikimedia.org]