Hillary Clinton könnte am 25. Juli auf dem Parteitag der Demokraten doch nicht zur Präsidentschaftskandidatin gekürt werden. Nicht nur, dass ihr mit dem linken Senator Bernard „Bernie“ Sanders ihr hartnäckigster innerparteilicher Kandidat nicht aufgeben will und ihr bei Vorwahlen peinliche Niederlagen zugefügt hat, wird Clinton vielmehr von ihrer Zeit als US-Außenministerin eingeholt. Dabei geht es darum, dass sie als Chefdiplomatin für ihre E-Mail einen privaten Server und nicht jenen des Ministeriums benutzte.

Über die Schwierigkeiten, die auf Hillary Clinton zukommen, schreibt Douglas E. Schoen, ein ehemaliger Berater von Präsident Bill Clinton, in einem Meinungsbeitrag für das „Wall Street Journal“: „Frau Clinton steht auch wachsenden rechtlichen Problemen gegenüber. Der jüngste Bericht des Generalinspektors des Außenministeriums über die Nutzung eines privaten E-Mail-Servers, als sie Außenministerin war, macht es mehr als genügend deutlich, dass sie Regeln brach und weit entfernt von ihren öffentlichen Äußerungen ist. Die furchtbaren Ergebnisse stärken die Befürchtungen innerhalb der Partei, dass Frau Clinton und ihre Helfer die Untersuchung durch die Regierung nicht überstehen werden, ohne dass anderswo ein strafbares Verhalten entdeckt wird.“ Deshalb könnten die für die Nominierung entscheidenden Superdelegierten der Demokraten davon Abstand nehmen, Clinton zu unterstützen.

Auch dass die ehemalige Präsidentengattin im Wahlvolk ähnlich unbeliebt ist wie Donald Trump, der voraussichtliche Präsidentschaftskandidat der Republikaner, wird zunehmend thematisiert. Schoen berichtet daher von einem „Rumoren“ innerhalb der Demokraten und von der Suche nach einem Alternativkandidaten: „John Kerry, der Kandidat von 2004, ist eine Möglichkeit. Das wahrscheinlichste Szenario ist aber, dass Vizepräsident Joe Biden – der sagt, er bedaure seine Entscheidung, nicht zu kandidieren – ins Rennen geht.“ Bidens Beliebtheitswerte liegen in Umfragen weit vor denen von Clinton, Trump und Sanders. Die „Chicago Tribune“ bezeichnet Biden sogar als „exzellenten Ersatzkandidaten, falls Hillary Clinton schwankt“.

 

Lesen Sie mehr zu diesem Thema in der neuen Ausgabe der Zur Zeit, entweder hier als E-Paper, oder ab Freitag in Ihrem Kiosk.

 

[Bild: Gage Skidmore/wikimedia.org]