Die Verkürzung von Zitaten ist ein beliebtes Spiel innerhalb der Politik und der Publizistik. Beispielsweise wird dem deutschen Bundeskanzler Adenauer immer wieder Unrecht getan, indem man seine Aussage: „Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern“, gerne bei passenden oder weniger passenden Gelegenheiten wiederholt. Adenauer war aber keineswegs ein zur Beliebigkeit neigender Wendehals, sondern fügte ursprünglich noch den Satz: „Warum soll man nicht gescheiter werden“ hinzu.
Diese Worte könnte man nunmehr in ihrer originalen Vollständigkeit Eva Glawischnig in den Mund legen, jedoch handelt es sich dann um eine weniger passende Gelegenheit. Verbleiben wir gedanklich in der Ära Adenauer. Stellen wir uns vor, ein „Spiegel“-Redakteur, der den damaligen Verteidigungsminister Franz Josef Strauß während der sogenannten „Spiegel“-Affäre für seine Nuklearwaffenpläne kritisierte und diese veröffentlichte, dafür sogar juristische sowie polizeiliche Verfolgung in Kauf genommen hat, wechselt in die Öffentlichkeitsabteilung eines Rüstungskonzerns. Niemand würde der betroffenen Person das Attribut „klüger geworden“ umhängen, sondern vielmehr an Goethe denken: „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.“ Zwischen der Frage klüger zu werden und Prinzipien über Bord zu werfen, ist ein Graben, in den Glawischnig mit Anlauf gedonnert ist. Gusenbauer verzeiht man viel leichter. Ist ein Mann, der gerne deftig und spät frühstückt sowie zu einer guten Flasche geistigen Getränks unmöglich nein sagen kann,ein durch und durch schlechter Mensch?
Betrachten wir die realen Auswirkungen des Glawischnigschen Seitenwechsels von Grün zu Novomatic zwei Tage vor der Kärntner Landtagswahl im Konnex zum Grünen Wahlergebnis. Welcher Konservative denkt hier nicht an das alte römische Sprichwort, mit dem der Titel des Textes komplementiert werden kann: „… ich hasse den Verräter.“

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