Unwissenheit schützt nicht vor Strafe, so zumindest ein Grundsatz des römischen Rechts und ein nach wie vor gefl ügeltes Wort in deutschen Landen. Auch andere Länder, andere Sitten ist eine solche Volksweisheit. Und diese anderen Sitten, man könnte sie vielleicht auch als kulturelle Sozialisation bezeichnen, scheinen nun vor Gericht durchaus mildernd betrachtet zu werden. So hatte in Cottbus ein 32-jährige Asylwerber aus Tschetschenien, Rashid D., auf seine 25-jährige Frau und Mutter seiner fünf Kinder aus Eifersucht 19 Mal eingestochen, sie aus dem Fenster des 1. Obergeschosses geworfen und, um auf Nummer sicher zu gehen, ihr dann noch die Kehle durchgeschnitten. Das Landgericht Cottbus unter dem Vorsitzenden Richter Frank Schollbach verurteilte den Tschetschenen nun nicht wegen Mordes, sondern „nur“ wegen Totschlags zu 13 Jahren Haft – so besteht die Möglichkeit, nach zwei Dritteln der Zeit (acht Jahre und acht Monate) Entlassung auf Bewährung zu beantragen. Zwar könnte neben dem Mordmerkmal der niedrigen Beweggründe auch die Grausamkeit der Tat selbst laut § 211 Strafgesetzbuch ebenfalls als Mordmerkmal gezählt werden, doch Richter Scholl war nachsichtig. Gnädig stimmten ihn die Tatsachen, dass der Angeklagte nie eine Schule besuchte – ausnahmsweise wirklich kei´ne Fachkraft –, dass er Mohammedaner, also Angehöriger der „Friedensreligion“ ist – vor Gericht erklärte der Täter, wenn eine Frau fremdgehe, dann habe der Mann das Recht, sie zu töten, denn das sei in Tschetschenien geltendes Recht und stehe so im Koran –, dass er aus einer extrem traditionellen Gesellschaft stamme und dass das Paar erst wenige Monate in Deutschland war und keine deutschen Sozialkontakte hatte – bis auf Kontakte zu Behörden. Willkommen im Bundesemirat Deutschland! Apropos, der Asylantrag der koranhörigen Nicht-Fachkraftwurde im Oktober 2016 abgelehnt, eine Abschiebung war nicht möglich, da die Betreffenden untergetaucht waren.

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