Gemäß einer vom Wochenmagazin Magyar Demokrata (Ausgabe vom 14. Juni 2017) veröffentlichten Umfrage erfreut sich Viktor Orbán nach wie vor großer Beliebtheit. Auf die Frage „Welchem ungarischen Politiker stehen Sie mit größter Sympathie gegenüber?“ nennen 38 % den Regierungschef. Auf Platz 2 folgt das Staatsoberhaupt János Áder mit 14 %, die Bronzemedaille geht an Jobbik-Vormann Gábor Vona mit zehn Prozent. Der Parteivorsitzende der Post-KP (MSzP), László Botka, ist unter den ersten zehn nicht vertreten.

Im Land der Puszta tobt derzeit ein Plakatkrieg. Am aggressivsten geht Jobbik vor. Sie überschwemmt Straßen und Plätze mit riesigen Plakaten. Finanziert wird die Kampagne vom Millionär Lajos Simicska. Der ehemalige Studienkollege Orbáns hat sich mit dem Premier zerstritten und führt nun via Jobbik einen Rachefeldzug. Die Plakate haben es in sich: Mi veletek! Leváltjuk öket! (Wir sind mit Euch! Lösen wir sie ab!). Darunter ist eine Schwarz-Weiß-Galerie in der Manier von Verbrecher-Visagen zu sehen, angefangen mit Viktor Orbán. Aktivisten der regierenden Fidesz schlagen sofort zurück, kleben Zettel darüber, worauf steht Simicska-párt, also: Simicska-Partei.

Die Postkommunisten werben mit Fizessenek a gazdagok! (Die Reichen sollen zahlen!). Ob das auch für den millionenschweren roten Parteichef László Botka gelten soll? Botka ist laut Fidesz eine Marionette des im Land minder gern gesehenen Spekulanten George Soros (ursprünglich György Schwartz). Der sich als Philanthrop ausgebende Soros nennt Ungarn Orbáns Mafia-Staat.

Auch bei der Momentum-Bewegung des jungen András Fekete-Györ – ihn zeichnet eine frappante Ähnlichkeit mit Conchita Wurst aus – dürfte der Forint lockersitzen. Sie überzieht Budapest mit Plakaten, auf denen steht: Indítsuk be Magyarországot! (Starten wir Ungarn!). Ob das Land tatsächlich einen Motorschlüssel in Gestalt des Herrn András bedarf, sei dahingestellt. Laut Umfragen liegt Momentum zwischen einem und zwei Prozent, sohin ein politisches Kleinstlebewesen wie hierzulande das Liberale Forum selig.

 

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[Bild: Elekes Andor/wikimedia.org]