Aus Pakistan wird ein besonders grausames Verbrechen gemeldet. Die Stammesältesten von Donga Gali, rund 50 Kilometer von der Hauptstadt Islamabad entfernt, haben die brutale Ermordung einer 16-Jährigen angeordnet, weil sie der „Ehre“ des Ortes einen nicht mehr wiedergutzumachenden Schaden zugefügt habe. Das „Verbrechen“ der Jugendlichen: Sie hatte einem jungen (Liebes-)Paar geholfen, das aufgrund der mittelalterlichen Moralvorstellungen in den islamisch geprägten Stammesgebieten Pakistans mit einem Auto abgehauen war.

Der lokale Polizeichef Saeed Wazir berichtete der Nachrichtenagentur Reuters über das brutale Vorgehen: „Die Stammesältesten brachten sie an einen abgelegenen Ort außerhalb des Dorfes und machten sie bewusstlos, indem sie ihr Drogen injizierten. Dann setzten sie sie in den Lieferwagen, mit dem das Paar geflüchtet war. Sie fesselten ihre Hände an die Sitze und dann übergossen sie sie und das Fahrzeug mit Benzin.“ Das besonders Tragische an dem Verbrechen, unter den 15 wegen des Mordes festgenommenen Personen sollen sich nicht nur Mitglieder des Stammesrates befinden, sondern auch die Mutter und ein Bruder des Opfers. Sie sollen an dem Treffen, an dem die Ermordung beschlossen wurde, nicht nur teilgenommen, sondern dem auch zugestimmt haben.

In den Stammesgebieten Pakistans, wo der Einfluss der Zentralregierung in Islamabad nur sehr gering ist, kommt es immer wieder zu „Ehrenmorden“. Zwar haben die Stammesräte in dieser streng islamisch geprägten Region Pakistans keine Exekutivgewalt, jedoch sehen die staatlichen Behörden in den meisten Fällen weg. Die Fälle von „Ehrenmorden“ wird in Pakistan auf mehrere Hundert im Jahr geschätzt. Vor Gericht landen aber nur die allerwenigsten, und oftmals werden die Täter von den Richtern aufgrund einer Bestimmung der Scharia, des islamischen Rechts, freigesprochen.

 

[Text: B. T.; Bild: Mark O’Donald,Petty Officer 1st Class/U.S. Navy/wikimedia.org]